Open Innovation: Der Rückschritt nach vorn

Vor 6 Jahren erstmals erwähnt, hat sich Open Innovation mittlerweile zum echten Hingucker gemausert. Aber was ist an diesem offenen System denn so besonders. Und warum hat eigentlich niemand Open Innovation so richtig wahrgenommen?

Zunächst aber einiges zur Entwicklung von Open Innovation: Entstanden ist diese Bewegung bzw. dieses Konzept weil Unternehmen mit Ihren Prozessen und Produkten teils stagniert sind. Ob dies nun beim Vorgang der Produktion war, oder es letztlich um den Vertrieb ging. Immer kamen Punkte an denen die jeweiligen Abteilungsleiter von ihrer Seite aus einen endoptimierten Prozess vorfanden, welcher sich nur durch externe Kräfte hat meistens weiter optimieren lassen. Also war der nächste Schritt: Wir gehen auf unsere Mitarbeiter und Kunden ein und fragen diese inwiefern sich der jeweilige Prozess verbessern ließe.

Auf demselben Wege und quasi Zeitgleich entsprangen die ganzen Anglizismen dafür, „Corporate Social Responsibility“ war im Kontext auf das „Employee improved processes“-Konzept das Zuckerstück für den Mitarbeiter und das Unternehmen. Der Mitarbeiter erhielt im günstigsten Falle eine Prämie oder gar eine neue Position und das Unternehmen konnte den Betriebsablauf effizienter gestalten. Jedoch kam auch hier wieder der Punkt an dem selbst die smartesten Mitarbeiter die Arbeitsvorgänge nicht weiter verbessern konnten. Die logische Konsequenz für einige Konzerne waren „Innovation Hubs“. Also komplette Abteilungen in denen Leute saßen / sitzen um innovativ und Ideengebend zu sein. Natürlich war hier die Fluktuationsrate entsprechend hoch, weil vernünftig betrachtet niemand diesem Druck gewachsen sein kann, ständig erfinderische und frisch inspirierte Ideen hervorzubringen.

Die darauf folgenden Entwicklungen waren: Externe Firmen welche sich explizit die Prozesse anschauen und versuchen zu verbessern. Nun ist dies bezüglich der weltweiten Patentproblematik zu heikel geworden. Denn externes Wissen ist wiederum Knowhow welches nicht so schnell die Konkurrenz erreichen sollte. Und dann gab es da eben auch noch Open Innovation im Jahre 2006.

Open Innovation ist gewissermaßen ein sehr großer Innovation Hub. Denn zumindest in der Theorie können Unternehmen somit auch vollkommen unabhängige Meinungen und Vorschläge zu Produkten, Prozessen etc. einholen. Aber auch dieses Konzept hat seine (Patent-)rechtlichen Grenzen. Es ist wie bei all den Konzepten und Systemen zuvor: Ideen und Patente fallen der Masse zum Opfer und damit höchstwahrscheinlich auch den Konkurrenten. Eine aktuelle Studie belegt aber auch die Angst der Unternehmen mit diesem offensiven Umgang mit Patenten und Innovationen.

Aber was wäre eigentlich so schlimm daran wenn jeder auf Ideen und Konzepte von anderen Leuten zugreifen könnte?

Vom Prinzip her nichts. Wie eine aktuelle Kolumne der Zeit zeigt, hat auch die jüngere Generation bzw. Gesellschaft der selbstgenannten Netzkinder keinerlei Probleme damit vorhandenes Wissen von den Prinzipien her auch direkt zu nutzen und in neue Innovationen umzusetzen. Das heißt wiederum nicht nur der Konsens einer Informationsgesellschaft wäre passé sondern auch die Innovationsgesellschaft würde sich etablieren. Wie das funktionieren soll? Wer hätte davon Vorteile?

Die Idee hinter alle dem ist mehr oder minder ein Open Innovation 3.0. Eine Offenlegung sämtlicher Prozesse, Ideen und Hierarchien, in welche eine Community von globaler Größenordnung Ihre Ideen einbringt, entwirft, kommentiert, verbessert. Diese bringt zunächst alle voran.

Und es braucht einen Global Player. Von einer Größe wie bspw. Google, Apple, Facebook aber auch Nestlé oder ähnliches wäre denkbar. Dieser Global Player kann diese Plattform zur Verfügung stellen. Aber warum sollte er das tun? Ganz einfach von den Ideen und Prozessen welche miteingebracht würden, profitiert nicht nur der Innovator und die ganzen Kommentatoren mit Ihren Verbesserungen, sondern eben auch der Global Player selbst der damit nicht nur eigene Prozesse optimieren kann sondern auch seinen Beitrag zur Gesellschaftlichen Globalen Entwicklung einbringt.

Selbstverständlich steht dem ganzen dann auch die rechtliche Lage etwas im Wege. Allerdings geht es hier nicht um den Haufen Anwälte welche vor Gericht teilweise die aberwitzigsten Trivialpatente einklagen wollen, sondern wie immer um „die Anderen“. Also Konkurrenten egal ob aus fern oder nah, Ost oder West, Nord oder Süd. Die Gefahr kann potentiell von jedem ausgehen. Nun komme ich also wieder zurück auf den Global Player. Er ist nicht zufällig gewählt, denn falls es nicht zu einer Reformierung von Gesetzen bezüglich des Urheber- und / oder Patentrechtes kommt, wäre er der Initiator für solche Reformierungen und hätte zudem noch die Menschen und Unternehmen welche ihn bis dahin unterstützen im Rücken. Aber wie sollte man das technisch umsetzen?

Die Frage ist so einfach wie trivial zu beantworten: Timestamps! Durch eben jene Zeitstempel die ohnehin im Backend von jedem noch so kleinen Server laufen und mittels einer entsprechenden Server-Architektur sollte es ohne Probleme möglich sein zu jedem Zeitpunkt festzustellen wann, wo, welche Innovation eingereicht, verbessert, kommentiert wurde. So kommt eben auch der Aspekt der Transparenz hinzu, weil überdies aktiv und für jeden sichtbar neue Patente entwickelt werden würden. Und der Innovator?

Auch er würde dafür entlohnt werden eine Idee mit eingebracht zu haben. Immerhin profitiert davon in diesem Gedankengang die gesamte Welt.

Die idealste Unterbringung all dieser wegweisenden Konzepte wäre auch bezüglich der Enterprise 2.0 neugedeutschten Klassifikation und wirklicher Corporate Social Responsibility, die Kulturflatrate in Verbindung mit dem hier vorgestellten Open Innovation 3.0 Ansatz. Es muss sich nur einer trauen der groß genug ist.

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