Vom Leistungsschutzrecht und den Künstlerdebatten

Die letzten Wochen sind turbulent verlaufen. Sehr turbulent sogar. Nachdem sich zuerst innerhalb der EU-Kommission gegen entsprechende Proteste des ACTA Abkommens weitere Stimmen kenntlich gemacht haben, wurden auch die Stimmen um INDECT lauter. Ebenfalls prädestiniert für unsere Aufzählung: Das Leistungsschutzrecht. Aber zunächst einmal eins nach dem anderen:

ACTA und INDECT könnte man mittlerweile in einen Topf werfen: Es sind beides Gesetzesentwürfe welche die kulturelle Entwicklung in Europa mit Sicherheit um 200-300 Jahre nach hinten wirft. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Je nachdem was und wo sich global demnächst noch tun wird, wird es anderen Industrienationen ebenfalls so gehen. Vielleicht ist das auch so gedacht. Vielleicht hat sich irgendwo auf dieser Welt irgendein Mann oder irgendeine Frau diesen Gedanken gemacht und hat sich gesagt: “Hm…Twitter, Facebook, Crowdfunding? Das geht mir alles zu schnell. Und den anderen bestimmt auch.”, und hat dementsprechend diese Entwürfe schnell dahin gekritzelt. Entsprechend beharrlich ist die simplifizierte Kommunikation mit anderen Meinungen. Die gibt es einfach nicht. Das wird gemacht und das ist auch besser so.

Nun kann man aber mittlerweile auch nachvollziehen warum dies so ist: Es ist Angst! Vollkommen panische Angst. Diese Angst beherrscht jedoch nicht nur Konservative. Es geht letztlich uns allen so. Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch und eigentlich weiß niemand in welche Richtung uns das alles bringen wird. Da ist es doch klar wenn jeder seine Meinung sagen will und möchte. Und manche Bellen eben lauter oder unüberlegter als andere. Aktuell ist es Günter Grass. Wir müssen uns von unseren Ängsten aber nicht kontrollieren lassen.

Wenn es um Angst und diesen Blog bspw. ginge, dann hätte ich in weiser Voraussicht vor Jahren die Domains dafür nicht gekauft weil zumindest schon 2010 alle möglichen Blogs und Websites abgemahnt wurden und die Tendenz natürlich nicht besser wurde. In Verbindung mit dem Leistungsschutzrecht kann es natürlich auch nicht unbedingt besser werden. Vor allen Dingen weiß man auch nicht wirklich wie vage dieses Recht noch interpretiert werden kann. Nehmen wir einmal an die Welt berichtet über ein Tablet und ich mache dies auch und verwende ähnliche oder gleiche Quellen ist dies dann schon eine Verletzung des Leistungsschutzrechts? Auch wenn wir uns darüber immer noch im Unklaren sind, wir bleiben weiterhin bestehen. Denn wir lassen uns nicht von Ängsten kontrollieren. Google tut dies im übrigen scheinbar auch nicht und ist keineswegs auf das Leistungsschutzrecht eingegangen und hat weiterhin das Angebot der Google News am Start.

Die interessanteste und vor allen Dingen auch vielfältigste Thematisierung ist die Novellierung des Urheberrechtes. Im Speziellen der Musik und Künstlern. Und wie immer gibt es zwei verschiedene Seiten: Einerseits gibt es da Deichkind, Jan Delay und diverse andere Musiker welche sich von der GEMA nicht die Fans durch die Beschneidung kulturellen Zugangs nehmen möchten und auf der anderen Seite gibt es natürlich die eher konservativen und traditionellen Gruppen welche mit der GEMA zwar auch nie ganz zufrieden waren aber auch keine Alternativen dazu sehen (wollen). Selbstverständlich ist ein Umschwung auf ein neues System immer mit Problematiken verbunden. So war dies ja auch in der Vergangenheit als die Musikindustrie von Medium auf Medium ziehen musste: Erst Schallplatte, dann CD, danach MP3 Stores im Internet und mittlerweile Streaming. Aber das System dahinter hat sich nie geändert. Und die Musikindustrie hat mittlerweile mannigfaltige Vertriebswege zur Verfügung, welche durch ihre Vielfalt aber natürlich auch weitaus schwerer zu kontrollieren ist. Wobei, man rein von der Vergütung sagen muss das Streaming mittlerweile das demokratisierteste und liberalste System ist welches die Musikindustrie jemals auf die Beine gestellt hat. Aktuell werden bei Spotify, Simfy und Co. zwar Flatrates bezahlt, diese werden aber zumindest laut einem Bericht des Hessischen Rundfunks anteilig zum Konsumverhalten an den Künstler ausgezahlt. Das gab es vorher noch nie. Teilweise war der Kauf einer CD vergleichbar mit dem Kauf eines Artikels auf dem Flohmarkt entweder man hatte Glück und konnte mit der Musik etwas anfangen oder man hat rein relativ ein etwas teureres Jewel Case gekauft. Zumindest mit den Grundprinzipien der Streamingportale könnte man etwas anfangen was auch tatsächlich in Richtung der Kulturflatrate oder der Kulturwertmark ginge. Dass der aktuelle Satz mit 0,00164 Cent pro gestreamten Titel viel zu wenig ist, ist ebenfalls offensichtlich aber die Strukturen sind da und können nur verbessert werden.

Fotografen und Künstler gehen mit ihren Rechten übrigens auch eher konservativ um. Aber bereitwillig in Kommunikation mit den neuen Medien. Was für Models die Setcard ist, ist für den Fotografen die Referenz. Und dank Wasserzeichen und der Erwähnung der Künstler ist es in den meisten Fällen auch so dass im Internet immer mehr Fotografien und Kunstwerke zu sehen sein werden mit Angaben zum Urheber. Insbesondere Fotografen und Künstler sind darauf angewiesen eigene Werke auch visuell an den Mann zu bringen. Man stelle sich einen Supermarkt vor mit lauter unetikettierten Konservendosen, gäbe es denn hier einen Anreiz auch nur etwas zu kaufen, geschweige denn diesen Markt überhaupt zu betreten? Wohl eher nicht. Dies haben auch die Mediendesigner und Künstler erkannt und haben daher schon seit langer Zeit ihre festen Plätze im Internet mit Fotografien ihrer Werke. Alexander Stein unser Mediendesigner und Fotograf hat bspw. auch seine Präsenz im Internet.

Warum hat es dann bei den Künstlern geklappt? Sie stehen zwar auch in der Debatte um Urheberrechte mittendrin aber sie wissen dass es nur anders geht. Von kultureller Teilhabe profitiert nicht nur die Masse sondern auch der Produzent. Und zwar immer. Denn was gefällt wird auch gekauft. Dies haben übrigens auch Monty Python erkannt und steigerten mit ihrem YouTube Channel den Umsatz ihrer Käufe auf über wahnsinnige 23000 Prozent.

Es geht also nicht darum sich seinen Ängsten nicht stellen zu wollen, sondern einfach ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Angst haben darf jeder, sich von der Angst kontrollieren lassen sollte sich jedoch niemand.

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