Social Networks: Willkommen in Deiner Sozialblase

Frau am Laptop

Social Networks werden immer Nutzungsintensiver - Alexandra H. / pixelio.de

Die Debatten über Netzneutralität haben im Grunde keinen Wert mehr. Schon längst ist das Netz nicht mehr neutral. Und auch wenn Google sich gerne als Heilsbringer darstellt ist der Verlust eines tatsächlichen und neutralen Netzes schon immens spürbar.

Auf der einen Seite mag es wie eine gut gemeinte Geste wirken: Das Suchen im Web wird personalisierter, Werbung wird auf den Inhalt und unsere Cookies angepasst und via Google hat man die Möglichkeit sein eigenes Webprotokoll anzeigen zu lassen. Aber auch seitens Facebook merkt man eine zunehmende Personalisierung und Optimierung hinlänglich auf den Benutzer und seine Gewohnheiten. Mit wem hat man am meisten Kontakt, wer sollte präferiert in den Wall-Einträgen oder der Chronik erscheinen und vor allen Dingen welche Werbung erscheint, auf Basis der zahlreichen Angaben welche man unternommen hat. Und selbst wenn man sich außerhalb der Social Networks aufhält, halten Cookies dennoch ein ausreichend vages Profil aufrecht um entsprechende Werbung einzublenden oder Sucherergebnisse auf Basis unseres Surfverhaltens zu priorisieren. Mit Google+ hat das Ganze einen neuen Höhepunkt erreicht. Nicht einmal mehr unterbewusst, werden uns bei Sucheingaben Links empfohlen, welche Freunde aus den eigenen Google+ Kreisen “geplusst” haben und angezeigt. Durch diese soziale Komponente wird man gewissermaßen automatisch zu vom Internet präferierten Hauptpunkten geleitet. Und das geschieht tatsächlich automatisch, wie in meinem Artikel über Facebook Fanpages vor kurzer Zeit beschrieben, hat die Aufmerksamkeitsspanne tatsächlich nur 5 Sekunden und in dieser Zeit überlegt man anhand von in der Regel 10 Suchergebnissen nicht wirklich wessen Seite aufgerufen werden soll, sondern bevorzugt natürlich intuitiv die Seite die andere kennen und durch eben diese soziale Markierung hervorgehoben wird.

An sich sind das selbstverständlich recht viele Vorteile bei der Nutzung von Inhalten und Social Networks, aber wir haben nicht mehr die Möglichkeiten wie noch vor einigen Jahren, um bewusst über den Tellerrand zu schauen. Den Großteil an Informationen bekommen wir über Soziale Netze. Die einzigen Nutzer sozialer Netzwerke die einigermaßen akkurat mit einem so hohen Informationsschwall umgehen können sind die User von Twitter mit rund 100 Accounts welchen auf einmal gefolgt wird. Durch die Beschränkung auf 140 Zeichen müssen Aussagen nicht nur informativ sondern auch interessant wirken, dadurch wird wiederum ein selektiver Charakter geweckt welcher es ermöglicht dem Informationsfluss gerecht zu werden.

Was bedeutet dies aber für den Nutzer im Alltag? Auf Basis der Next Generation Networks wird nicht nur die komplette technische Infrastruktur umgestellt (das nationale Telefonnetz im übrigen schon seit ungefähr sechs Jahren) sondern auch ein Netz erschaffen welches persönlich auf jeden einzelnen Nutzer zugeschnitten ist. Das hat wie oben beschrieben selbstverständlich auch Vorteile, es hemmt aber den Drang der Neugierde welche man schon Jahre zuvor im Internet erlebt hatte. Die Impulsivität bei dem aufsuchen neuer Interessen oder Themen hat abgenommen und ist rein Nutzerspezifisch geworden. Durch das liken gewisser Firmen, Fanpages oder Personen bekommt man auch nur noch einen fest definierten Einheitsbrei welcher zwar die eigenen Interessen befriedigt aber nicht mehr das konsumieren “aller Quellen” beinhaltet. Somit wird uns suggeriert wir hätten unsere eigene soziale Informationsblase geschaffen, aus welcher es immer schwerer wird heraus zu dringen. Aber es liegt nicht zwingend an uns. Selbstverständlich muss man sagen, haben Datenschützer unabhängig davon ob es die Piraten oder Institutionen waren, viel zu spät reagiert. Und auch uns Konsumenten sind standortabhängige, profilgerichtete Nutzerauswertungen viel zu spät bewusst geworden.

Und es gibt auch eine dunkle Seite dieser Entwicklung. Das sogenannte Darknet ist im Grunde nur eine Folgeerscheinung daraus. Bestehend aus vielen autonom wirkenden Usern welche mittlerweile so gut wie gar nicht von den Social Networks erfasst wurden, ist auch im Internet jetzt schon eine Parallelgesellschaft entstanden. Somit sind nicht nur die Nutzer der sozialen Netzwerke in einer Art personifizierten Gesellschaft gelandet sondern auch die User des Darknets, welche selbstverständlich den Aufenthalt von “Social Network” kontaminierten Seiten vermeiden.

Dies soll kein Aufruf sein Nutzer des Darknets aus der Anonymität heraus zu reißen oder den Nutzer sozialer Netzwerke den Umgang zu verbieten. Es ist eher eine Mahnung an die Wahrnehmung von Information beim täglichen Surfen im Internet auch mal eher alternative Quellen zu nutzen. Nachrichtenaggregatoren ala Google News, oder unbekannte Blogs zur Recherche von Themen aufsuchen. Netzneutralität kann ohnehin nicht mehr gefordert werden, dazu ist es jetzt schon zu spät. Aber wenn das Internet intensiver erlebt wird, haben wir die Möglichkeit unserer eigenen kleinen sozialen Blase zu entkommen. Wir als Menschen bestachen schon immer durch Vielfalt, es wäre schade wenn diese Entwicklung durch soziale Netzwerke in die falsche Richtung läuft.

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