Bargeld vs. Kreditkarte

Die Schweden mal wieder, sie waren die ersten die 1661 das Papiergeld einführten. Nun wollen sie sich auch als erste sehen, die es wieder abschaffen und die Ära der Digitalen Wirtschaft einläuten. Schon vor zwei Jahren berichtete die FAZ von den Bemühungen und Kampagnen gegen das Bargeld. Damals war Norwegen noch mit an der Front, die aktuellen Schlagzeilen stammen jedoch von seinem Nachbarn. Seit dem hat sich einiges getan. In einigen Städten können Bus- und Straßenbahnkarten ausschließlich über SMS oder Vorabkauf erworben werden. Einige Bankfillialen haben komplett auf digitale Zahlungsmittel umgestellt und auch in immer mehr Geschäften ist der Einkauf ohne Kreditkarte nicht mehr möglich.

Die Skandinavier sind jedoch im Gegensatz zu Deutschland und dem Rest der EU für ihre Kartenliebe berüchtigt. In Dänemark wurde 2010 der höchste Umsatz gefolgt von Norwegen und Schweden über Karten erzielt. Jeder Däne zahlte im Schnitt 166 mal mit Karte, der weltweite Durchschnitt liegt bei 28 Transaktionen pro Jahr. In Schweden stehen Bargeldzahlungen für gerade Mal drei Prozent der Wirtschaft!

Der Sicherheitsexperte des Bankenverbandes in Schweden führt das Argument der Sicherheit aus:

„Wenn weniger Bargeld im Umlauf ist, erhöht das die Sicherheit, für Mitarbeiter, die mit dessen Abwicklung befasst sind, aber natürlich auch für die Allgemeinheit”

Eine große Gefahr für das Experiment ist jedoch der potentielle Missbrauch. Denn wie wir wissen, sind digitale Inhalte nicht sicher. Die Anzahl der Onlinedelikte stieg im Jahr 2011 auf über 20.000 Fälle, elf Jahre zuvor lag diese Zahl bei 3.300…

Auch die Angst, vor einem vollkommenen Entzug der Handhabe über seine Finanzen, ist begründet. Sollte einem das Konto gesperrt oder gepfändet werden, sagen wir aufgrund von Ermittlungen im Rahmen eines Putsches, sitzt man ohne Mittel da. Vor allem die ältere Generation wehrt sich rigoros gegen einen solchen Vorstoß.

Glücklicherweise gibt es auch kritische Berichterstattung, so beschreibt Die Presse in ihrem exzellenten Artikel “Der Krieg gegen das Bargeld“, wie die fadenscheinigen Argumente der Banken und ihrer Lobbyisten nur ein Vorwand sind, um die schwindenden Geldreserven zu verschleiern. Auch der Profit dürfte eine große Rolle spielen, denn an Bargeldkäufen verdienen Banken nichts, wohingegen Kreditgeschäfte mit einer gewissen Gebührenabgabe an das jeweilige Finanzinstitut berechnet werden.

Auch in Spanien und Frankreich spürt man, wie unbeliebt Bargeld bei den Gesetzgebern ist, so wurden respektiv die erlaubten Bargeldkäufe auf 2.500 und 3.000 Euro beschränkt. An sich schon eine Sauerei, aber auch in Deutschland besteht eine ähnliche Beschränkung von derzeit noch 15.000 Euro. Dies soll sich durch die Bundesregierung und ihren Gesetzentwurf zur Verschärfung der Geldwäschegesetze ändern. Tafelgeschäfte sowie Bargeldein- und Auszahlungen werden durch Änderung des §3 (Seite 12) auf 1.000 Euro reduziert. Wie heise schreibt wird es sich wahrscheinlich auch auf anonyme Onlinezahlungen auswirken.

Trotz den ! Antiterror-Videos ! gegen das Bargeld von Homeland Security, wissen wir in Europa das Geld noch als Zahlungsmittel zu schätzen, welches eine gewisse Handhabe mit sich bringt. In Ländern wie Italien welche als Bargeldnirvana gelten tragen die Menschen die geringste Privatverschuldung mit sich herum. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und ich hoffe sie sind auch jedem klar…

In einem weiteren erst heute publizierten Artikel erläutert Die Presse, wie die Nachfrage nach Bargeld im ganzen Euroraum wieder ansteigt. Ein erfreuliches Zeichen, denn so lang keine Regelung gefunden wird, um das digitale Geld und dessen Schaffung hinreichend zu überwachen und jene wieder zu verstaatlichen, dadurch wieder in die Hände der bis dato hoffentlichen basisdemokratisch gebundenen “Volksvertretern” zu legen, ist eine solche Maßnahme irrwitzig bis wahnsinnig. Vielleicht ist es aber auch gerade diese Blindheit gegenüber den Bürgern und deren Rechte, die einen solchen Vorstoß verhindern wird. Ich weiß, dass Basisdemokratie sehr träge ist, aber in solch langfristigen Fragen meiner Meinung nach unablässig!

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