Social Media: Sexualisierte Diskriminierung

Es ist passiert und ganz Deutschland ist geschockt und erstarrt in Angst, Verstörung und Empörung. Ariane Friedrich hat in der Öffentlichkeit auf ihrer Facebook Seite Namen und Wohnort eines Mannes veröffentlicht welcher ihr zuvor eine sexuell verstörende Mail schickte. Die Reaktionen sind wieder einmal vollkommen verschieden, gerüchteweise soll in dem Wohnort des Mannes derzeit ein wütender Mob umher gehen und den Kontakt gezielt mit ihm vermeiden. Es gibt viele die aber auch auf dessen Seite stehen und sich sagen, dass solche eine Mail kein Grund ist zumindest in der Theorie ungefähr 800 Millionen Leute auf einen möglicherweise Unschuldigen los zulassen.

Frau am Laptop

Frau am Laptop - Cornelia Menichelli / pixelio.de

Zunächst einmal aber zu dem eigentlichen Vorgang. Ariane Friedrich hat auch aufgrund ihrer populären Persönlichkeit und ihren herausragenden Leistungen im Sport selbstverständlich mehr Post im Briefkasten, Email Postfach oder eben den Nachrichtensystemen von Social Networks als unsereins. Dementsprechend bekommt man selbstverständlich auch mehr Post von Menschen mit unglaublich niedriger Hemmschwelle und praktisch keinem Funken Sozialkompetenz.
So muss es auch in diesem Falle gewesen sein: Ariane Friedrich öffnet ihre Emails und findet ein Foto mit einem Genital vor und dem Spruch “Willst du mal einen schönen Schw*** sehen, Gerade geduscht und frisch rasiert.“. Weil dies in ähnlicher Weise wiederholt geschehen sei, veröffentliche Friedrich auf ihrer Facebook Seite die Mail (ohne Foto) und entblößte mit Namen und Wohnort den Mann.

Die mediale Reaktion und auch die Reaktion der Facebook User war vollkommen unterschiedlich. Während die eine Seite sich voll für diese Aktion aussprach, war der andere Teil vollkommen entsetzt einen möglicherweise unschuldigen Mann an den virtuellen Pranger zu stellen. Die Seite die sich für den Mann einsetzte sprach von einem möglichen Hack auf den Account des Mannes, welches er wiederum angeblich bestätigte. Auch der der Rechtsblog Internet-Law machte sich darum seine Gedanken. Experten sprachen in dem Fall auch von keinem Stalking sondern einer “Web-Attack”. Stalking ist bekannt, Mobbing ebenfalls. Ich bin mal gespannt wie so eine “Web-Attack” definiert sein soll, denn auch wenn sich der Fall im Internet zugetragen hat brauchen wir keine neue phrasierenden Wortgeflechte welche selbst nach intensivster Recherche keine Sinn ergeben und nur neue Diskussionen über Begriffsdefinitionen entfachen und die eigentliche Frage ungeklärt lassen. Darf man reinen Gewissens so handeln? Wir brauchen eine klare Antwort. Und die ging in dem Mediengemetzel unter.

Laut Statistiken des Jahres 2011 wurde jede zweite Frau schon einmal Opfer von sexueller Belästigung. Im Internet schätze ich das Spektrum auf fast 100 Prozent. Dies hat einfache und nachvollziehbare Gründe: Im Internet ist Kommunikation schneller etabliert und wenn jemand eine Nachricht ignoriert ist das ja auch nicht so schlimm, man hat in Facebook ja knapp 400 Millionen andere gegengeschlechtliche Parts. Außerdem ist dem Ursprung des Internets auch noch ein wenig die Anonymität des Einzelnen zuzuschreiben, dadurch fühlt man sich sicherer und führt dementsprechend schneller unüberlegte Aktionen aus.
Ob man jetzt Ariane Friedrich fragt oder eine x-beliebige Nutzerin sozialer Netzwerke: Jede ist schon einmal im Internet belästigt worden. Und was spricht denn nun dagegen wenn dieser Misere endlich ein Gesicht gegeben wird? Ich bin mir sicher dass es nicht nur die Frauen welche das erleben anwidert, sondern auch viele Männer einfach ankotzt. Nicht der Umstand dass Frau Friedrich und viele andere Frauen so etwas tagtäglich erleben, sondern wir im 21. Jahrhundert leben und ein paar Leute einfach nicht in der Lage sind den letzten Funken Anstand zu wahren und ihre Hormone im Zaum zu halten. Das Internet ist ein Platz für Alle. Es ist schlimm genug dass in der ohnehin noch recht kleinen Blogosphäre Deutschlands Bloggerinnen regelmäßig diskriminiert werden und selbst wenn es darum eine kleine Weile ruhig geworden ist findet inständige Diskriminierung auf den ganz normalen Sozialen Plattformen statt. Womit wir schon fast wieder beim Anfang des Artikels wären.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit dass Ariane Friedrich jetzt als Täterin dargestellt wird nur um die gesellschaftlichen Fehlverhalten zu vertuschen. Über Emanzipation und Gleichberechtigung können wir fantastisch diskutieren und reden, aber selbstverantwortlich handeln wird keiner. Und Selbstverantwortung ist in diesem Sinne auch Verantwortung für die Gesellschaft, unsere Frauen und unsere Kinder.

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