Facebook-Wachstum: Die Seifenblase platzt…

Daumen runter für den Facebook Börsengang?

Daumen runter für den Facebook Börsengang?

Die Frage ob wir kurz vor dem erneuten Platzen einer Internetblase bzw. dem Platzen der Social Network Blase stehen, ist so akut wie um die Jahrtausendwende herum. Derzeit mehr als 900 Millionen Mitglieder schwer und nach eigenen Einschätzungen 85 – 95 Milliarden US Dollar zum baldigen Börsengang wert, ist es schwer anzunehmen dass der Wachstum von Facebook langfristig anhält.

Denn mittlerweile kann man zwar mit Sicherheit sagen dass rund 50 % der Internetnutzer weltweit bei Facebook angemeldet sind, aber die Frage die sich stellt ist auch: Wie lange kann das Netzwerk seine Qualität und vor allen Dingen dieses Wachstum beibehalten? Selbstverständlich sind gerade unzählig viele Werbefirmen und Softwaregiganten wie Microsoft und natürlich auch die schon erwähnten 900 Millionen Nutzer in DAS Social Network involviert. Der Wert eines einzelnen Facebook Nutzers liegt derzeit bei ungefähr 130 – 140 US Dollar, durch die Abgabe von Likes, der Teilnahme an Spielen und natürlich den eigenen Postings hat man eine recht große Basis an Daten welche durch Verfahren wie das Data Mining, ein noch feineres Profil an relevanten Zielgruppen etabliert. Bspw. lässt sich dadurch mittlerweile auch ermitteln ob eine Frau schwanger ist und kann entsprechend dessen Werbekampagnen darauf schalten. Abgesehen davon war zumindest eine Zeit lang die Rede davon dass Facebook sich zur Rekrutierung von Arbeitskräften eigne. Bis auf eher passive als aktive Kampagnen ist man im wesentlichen auf keine wirkliche Besserung in den Bewerbungsprozessen gestoßen. Das Einzige was sich faktisch dadurch ermitteln und auch festigen lässt ist die Kundenbindung. Außerdem lassen sich durch die potentiellen Kunden auch neue Produkte entwickeln bzw. ausgestalten. Also sind diese 130 – 140 Dollar in jedem Falle gerechtfertigt.

Aber wie viel ist dann ein Nutzer von Google+ wert? Die Faktoren die sich auf den einzelnen Google+ Nutzer herunter rechnen lassen sind um einiges größer und vor allen Dingen wertvoller und qualitativ hochwertiger. Gesetzt der Annahme jeder Google+ User würde gerade mal 3 -4 weitere Dienste von Google nutzen, wie bspw. die Websuche, Google Mail, Google Übersetzer und YouTube. Das Ausmaß wäre gigantisch. Durch die Websuche sind die Intentionen und Sehnsüchte des Nutzers um ein vielfaches wertvoller als irgendwelche beiläufig gelikten Beiträge und Fanseiten. Im Vorfeld könnte man so bspw. ermitteln wann eine Reise oder ein Umzug stattfindet und dementsprechend die Werbekampagnen im Vorfeld schon anpassen, Trends zu Reisezielen ermitteln oder ähnliches. Durch den Google Translator könnte man auch beiläufig ermitteln was für Musik, Rezepte oder ähnliches in der Freizeit konsumiert werden. Google Mail ist selbstredend. Im Extremfall könnte man hierdurch ebenfalls Umzüge bspw. durch den baldigen Wechsel des Arbeitgebers vorhersehen und nebenbei auch feststellen bei welchen Diensten derjenige außerhalb von Google noch angemeldet ist. Durch YouTube ist es neben der Freizeitorientierung auch möglich zu ermitteln mit welchen Themen sich sonst noch beschäftigt wird, außer Musik eventuell Tutorials, Lehrgänge, Promotionsfilme von diversen Firmen, oder einfach irgendwas esoterischem. Und Google+ verknüpft die Verbindungen unter den Diensten. Wie hoch ist der Wert eines Netzwerks das gerade einmal 100 Millionen Nutzer aufweist, aber qualitativ für Werbepartner und Firmen um ein hundertfaches wertvoller ist (allein schon aufgrund der Genauigkeit der Daten)? Ich schätze zumindest was Qualität und verwertbare Daten zwecks Data Mining angeht sind es bei Google pro Nutzer rund 300 – 400 US Dollar an Wert.

Ich möchte Google an dieser Stelle nichts unterstellen und bin selbst mittlerweile zufriedener Nutzer vieler Dienste, aber es ist doch mit Google schon immer so ein bisschen wie mit Facebook gewesen. Ständig bleibt da dieser fade Beigeschmack was denn mit den eigenen Daten geschieht und vor allen Dingen auch wo welche Daten verwendet werden? Wird der Datenschutz überhaupt respektiert? An welcher Stelle werden überhaupt Daten gezogen? Und wo nicht? Das Google Mail bspw. Emails lediglich auf ein paar Stichworte untersucht um eine Werbeanzeige einzublenden kann zwar möglich sein, dadurch dass jedoch mittlerweile schon die Websuche im Stande ist aus kompletten Fragen den Kontext richtig abzuleiten und auch die Übersetzungen mit dem Google Translator im Laufe der Jahre besser geworden sind, ist es schon fast naiv zu glauben dass Google den Rest an Daten nicht weiterverwendet.
Don´t do evil” soll zwar schon seit Bestehen des Internetriesen der Slogan von Google sein, aber trotz der mittlerweile wirklich Benutzerfreundlichen Dienste und der ständigen Weiterentwicklung von Industrie- und Webstandards, hat man trotz allem ständig einen suspekten Eindruck. Doch das wichtigste und um damit wieder zu Facebook zurück zu kommen ist die Qualität.

Während Facebook mittlerweile drauf und dran ist ein unübersichtliches Netzwerk aus sich selbst wiederholender Wallposts zu werden, erfindet sich die Google+ Community ständig neu. Auch durch die Nutzung von Hangouts hat Facebook ein erhebliches Nachsehen gegenüber dem sozialen Netzwerk von Google. Denn im Gegensatz zu Facebook hat Google+ noch ein erhebliches Wachstum vor sich und damit auch genügend Potential um qualitativ und später auch quantitativ zu punkten.

Und der fast schon wichtigste Punkt wurde vom Falschen Hasen angesprochen. Alle sozialen Netzwerke sind nur eine Zeiterscheinung. Denn konzeptionell basieren soziale Netzwerke auf den Säulen des Social Web. Und wie wir es von MySpace schon kennen, ist die Art wie wir kommunizieren die gleiche, die Plattformen variieren jedoch im Laufe der Zeit. Für MySpace war es das Ende. Denn nur wer sich als Netzwerk ständig weiterentwickelt kann auch die Nutzer und damit den Markt des Social Web für sich beanspruchen. Und während Facebook bspw. mit der Einführung der Chronik unter Weiterentwicklung eher das ausbauen der Potentiale für seine Werbekunden versteht, ist Google in seiner Entwicklung immer im Hinblick auf seine Nutzer bedacht gewesen. Ich denke mir auch die Prinzipien dahinter sind völlig verschiedene. Bei Google sagt man sich, guter Content für gute Nutzer. Und bei Facebook sagt man sich wohl, mal sehen wie unsere Nutzer reagieren wenn wir noch mehr Daten recht offensichtlich sammeln möchten für Werbekunden sammeln möchten.

Dass heißt Facebook wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Und auch der Börsengang muss nicht unbedingt gleich tödlich sein. Aber ohne Weiterentwicklung im Hinblick auf die Nutzerbindung ist der Facebook Börsengang eine gefährliche Sache, welcher eventuell schon in wenigen Monaten seine Folgen spüren lassen wird. Google+ dagegen hat einfach Potential auch im Hinblick auf die Zukunft. Wer also darüber nachdenken sollte tatsächlich Aktien von Facebook zu kaufen, dem Rate ich in den oben genannten Punkten diese Sache nochmals zu überdenken. Und um zu prognostizieren dass Facebook vom Wachstum her demnächst stagniert braucht man kein Hellseher zu sein. Als langfristige Investition ist meiner Meinung nach von den Facebook Aktien abzuraten. Kurzfristig kann man eventuell noch profitieren.

Wie seht Ihr das?

Veröffentlicht in: Entwicklung, Social Web Schlagworte: , , , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>