Urheberrecht: Ihr habt doch einen gemeinsamen Punkt!

Das Internet ist längst nicht mehr so wirr, wie hier dargestellt. Quelle: setcookie  / pixelio.de

Das Internet ist längst nicht mehr so wirr, wie hier dargestellt. Quelle: setcookie / pixelio.de

Wir schreiben mittlerweile das Jahr 2012 und dennoch sind sowohl die Künstler als auch die Stimmen aus dem Netz nicht in der Lage ihren Standpunkt richtig festzulegen. Während die einen letztlich sagen dass das Urheberrecht so wie es jetzt ist einfach weiter bestehen soll, spricht sich die andere Partei dafür aus das Teilen geistigen Eigentums rechtlich zu vereinfachen bzw. komplett kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Nun ist dieser Konflikt allerdings nicht erst gerade eben entstanden sondern diese Positionen bestehen seit rund 15 Jahren. Zu damaligen Zeiten hatten im Netz außer AOL und diverser anderer bspw. Chat-Seiten und Foren, außerdem Filesharing-Plattformen wie bspw. Kazaa oder Emule was den Traffic anging die eindeutigen Vorherrschaft. Dieser Konflikt an den verschiedenen Interessengruppen ist also nicht einfach von heute auf morgen entstanden sondern war im Grunde schon immer da. Und nach 15 Jahren schaffen es beide Parteien immer noch nicht einen gemeinsamen Punkt zu finden?

Das ist nicht überall so. Dass sich das Netz wie immer selbst regulieren kann beweist bspw. der Blick über den großen Teich indem man Plattformen wie Hulu etablierte oder bspw. eine Full-Version von Google Play an den Start brachte. Dies ist hierzulande nicht möglich. Während man als Nutzer mittlerweile immer neidischer auf den amerikanischen Markt lugt, hat man es in Deutschland nicht einmal geschafft seine eigenen Positionen auszuformulieren.

Die Piraten reden von einer ihnen selbst noch unbekannten Form des zukünftigen reformierten Urheberrechts und die Künstler beharren auf einer Stärkung des Urheberrechtes und dem Umgang mit dem sogenannten IP. Der Intellectual Property. Und genau solche Begrifflichkeiten stehen im Wege. Während in den USA und auch hierzulande einige Politiker immer noch davon überzeugt sind die im Internet immer wieder erwähnte IP sei der Verstoß gegen geistiges Eigentum und insbesondere darum seien IP-Pakete im Internet besonders schlimm, verstärken nicht nur das Unverständnis beider Parteien sondern führen auch zu einer komplett ausweglosen Diskussion. Ebenso wie die Behauptung das Internet sei ein rechtsfreier Raum. Das stimmt nicht. Zunächst einmal: Das Internet konnte sich schon immer auf eine gewisse Weise selbst regulieren, ob dies nun durch neue Geschäftsmodelle geschehen ist oder durch den Umgang des Nutzers mit dem Internet.
Ja genau. Der Nutzer steht und stand immer an erster Stelle. Nicht irgendein Konzern oder irgendeine Firma entwickelt die Tendenzen des Internets. Als Paradebeispiel kann man hier Marc Zuckerberg anführen. Er war letztlich ja auch nur Nutzer und hat aber entsprechend dessen die Bedürfnisse und Intentionen des Internets und seiner Nutzer erkannt und mit ein paar anderen Leuten dass auf die Beine gestellt was wir als heutzutage nicht nur als Facebook sondern als Social Networks bezeichnen.

Was steht uns also im Weg? Auf der einen Seite beschweren wir uns darüber dass hier in Deutschland die Blogosphäre hinterher hinkt und bis auf 5-6 richtig populäre Blogs eigentlich so gut wie nichts geschieht. Während die meisten Blogs mit viel Traffic lediglich irgendwelche technischen Eigenheiten von bspw. WordPress oder Affliate-Programmen beschreiben, gibt es recht wenige (netz-)politische Blogs welche sich auch darüber im Klaren sind, wie die Zukunft denn aussieht. Hier wird selbstverständlich auch immer mit den eigenen Vorurteilen gerungen und dadurch die eigenen Positionen vehement verhärtet. Ebenso geschieht es mit den Künstlern: Anstatt sich auch mit den anderen Positionen auch nur annähernd auseinander zusetzen, beharrt man auf der Vorstellung das mittlerweile mehrere Jahrzehnte alte Urheberrecht würde noch die eigenen Interessen vertreten und die eigenen Fans mit bestärken.

Doch wie sieht das in der Realität aus? Die Nutzer werden gegängelt wie seit langem nicht mehr. Abmahnung bei diversen Facebookpostings sind an der Tagesordnung und die einzige Tendenz die sich abzeichnet ist die Tatsache dass die Abmahnung für den Nutzer günstiger werden. Es geht hierbei aber nicht darum den Nutzer abzumahnen. Immerhin ist das ja in gewisser Form Publicity für den Künstler sobald Inhalte geteilt werden und Leute teilen keine Inhalten wenn Sie ihnen nicht gefallen. Und dieses rechtliche Unverständnis ist auch nicht mehr vorhanden wie damals zu Zeiten der Filesharing Netzwerke. Es stünde also einer Reformierung des Urheberrechtes nichts mehr im Wege. Verständlich sind die Positionen beider Parteien, in einem gewissen Grade. Doch diese Beharrlichkeit auf beiden Seiten bestärkt nur die Vorurteile der Nutzer dass die Piratenpartei weiterhin nicht in der Lage ist die eigenen Positonen zu formulieren und die Künstler sich wie ein Haufen Hinterwäldler aufführen.
Dadurch kommen fatalerweise Medien wie SPIEGEL Online auf die Idee, vermeintlich vermitteln zu können. Oder diverse Fernsehsendungen wie Planetopia versuchen vermeintlich erklären zu können was noch im Internet erlaubt ist oder nicht. Was dadurch jedoch geschieht ist das bestärken von Vorurteilen.

Dabei ist doch schon längst ein gemeinsamer Nenner da: Die Reformierung des Urheberrechts! Wichtig ist es nur bei der Debatte sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und sich nicht hinter Anglizismen zu verstecken welche bspw. die Gegenpartei nicht versteht (siehe Intellectual Property). Wichtig ist der Fokus im Sinne der Nutzer und nicht nur der Künstler zu handeln. Denn ohne Nutzer und Konsumenten sieht auch der Künstler alt aus. Was fehlt ist die Idee die Basis hinter alle dem. Vorstellbar wäre bspw. ein komplett werbefinanziertes Teilen von Inhalten. Wir sehen den ganzen Tag über schon bei YouTube oder anderen Videoplattformen im Vorfeld einen Werbespot oder ähnliches. Dies nun auf Bilder umzusetzen sollte nicht unbedingt das Problem darstellen.

Also weg mit den Scheuklappen und an den gemeinsamen Tisch! Es gibt viel zu diskutieren die nächsten Monate. Aber niemals den Fokus aus den Augen verlieren. Es geht hier nicht um ein paar Künstler sondern um die Zukunft des Umgangs mit Medien. Nur eine gemeinsame Reformierung des Urheberrechts kann nicht nur die Netzentwicklung beschleunigen und bestärken sondern auch den Umgang und das Verständnis miteinander. Gehemmt wird durch diese rückständigen Vorstellungen nicht nur die Wirtschaft sondern auch die Entwicklung der Menschheit. Wir könnten schon längst das Zeitalter der Informationsgesellschaft hinter uns haben und endlich als Innovationsgesellschaft agieren, wenn nicht zwei engstirnige Positionen sich und allen anderen komplett selbst im Weg stünden.

Veröffentlicht in: Entwicklung, Kultur Schlagworte: , , , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>