Das Leistungsschutzrecht als Chance für Blogger?

Das Leistungsschutzrecht verärgert nicht nur die Blogger in Deutschland sondern auch jegliche anderen Ersteller kreativer Beiträge, denn die Verlinkung auf, von der Mehrheit der Internetnutzer akzeptierten Leitmedien, als gültige Quellen werden damit teuer oder komplett nichtig. Durch die ungenaue Definition des Gesetzesentwurfs verbleibt Anwaltskanzleien und Gerichten ziemlich viel Spielraum bei der Interpretation der Gesetzestext. Sprich bei einer Abmahnung wegen einer Verlinkung zu einem Artikel auf bspw. Spiegel Online, oder die BILD in einem Beitrag kann es entweder teuer werden oder es geschieht einfach gar nichts.

Auch hier im Blog und intern bei Boxedpages haben wir uns dazu entschlossen seit dem heutigen Tage entweder nur noch auf andere Blogs, Firmenwebsites oder ausländische Verlagshäuser zu verlinken. Nicht nur wegen den rechtlich ungenauen Definitionen sondern auch wegen der thematischen Vielfalt die auf anderen Blogs existieren welche ein in das Internet konvertierte Tageszeitung auch mit etlichen Ressorts und vordefinierten Themen unmöglich aufholen kann. Von Fotografie über Koch und Lifestyle-Tipps, hin zu Polit-, Rechts-, Wirtschafts-, Regional-, Tech-Blogs oder Autoren welche über die Züchtung von Koikarpfen berichten, bietet die deutsche Blogosphäre mittlerweile alles. Warum sollte man dieses Potential also nicht nutzen um eigene Beiträge mit weiterführenden Artikeln zu bereichern?

In einem ähnlichen Kontext startete ich vor knapp einem Monat eine Blogparade um ein weiteres unabhängiges Meinungsbild abseits von den “Leitbloggern” wie bspw.  Pallenberg, Fefe, oder Herrn Sixtus zu bekommen. Das Beteiligung an der Blogparade war zwar relativ verhalten, aber dennoch sehr aufschlussreich: Die Blogger sind sich darüber bewusst dass gerade ein großer Wandel stattfindet und die Nutzer präferiert, auch vorzugsweise durch Twitter, alternative Berichterstattung im Internet der herkömmlichen Berichterstattung über Verlagsseiten im Web, vorziehen. Zwar blickt man immer noch erstaunt über die enorme Vielfalt der Blogs in den USA über den großen Teich, aber das Selbstbewusstsein, das “Wir-Gefühl” und vor allen Dingen der Blick nach vorne lässt die deutschen Blogger und die Blogosphäre optimistisch in die Zukunft blicken.

Wäre da nicht das drohende Leistungsschutzrecht. Über den Daumen gepeilt waren die Reaktionen keinesfalls geteilt sondern immer empört bis ängstlich. Allem voran ist die Gesetzgebung so schwammig dass je nach Rechtsprechung selbst der kleine Twitter-User betroffen ist. Immerhin stellt sich Twitter selbst als Microblogging-Plattform dar, und Follower haben dann ja eine ähnliche Entsprechung wie Besucher. Wenn jemand in der Vergangenheit also interessante Artikel aus Nachrichtenverlagen getweetet hat und nebenbei Sponsored Tweets losgelassen hat ist die in dem Gesetzesentwurf erwähnte Erschleichung von Leistungen zu monetären Zwecken schon erfüllt. Die selben Entsprechungen lassen sich auf Facebook, Google+ oder ähnlichem finden. Mit jedem einzelnen Nutzer der einen Zeitungsartikel bspw. postet. Der Multiplikator für den Streitwert wären wohl immer die Shares wenn es vor Gericht geht. Bloggen ist also gefährlich geworden. In welcher Form auch immer.

Aber warum immer so negativ? In der Vergangenheit kamen des Öfteren in der Blogosphäre Stimmen auf dass deutsche Blogs untereinander so gut wie nicht mehr aufeinander verlinken und wenn dann werden No Follows gesetzt um das Ranking bei Google auf keinen Fall zu gefährden. Affliate Blogs haben darin mittlerweile gewissermaßen eine eigene Expertise entwickelt.
Warum also nicht präferiert aufeinander verlinken? Das Leistungsschutzrecht muss also nicht unbedingt eine Gefahr darstellen. Es kann das Internet in seiner Entwicklung in Richtung Social Web sogar bestärken. Und langsam aber sicher zeichnet sich ohnehin ein Umbruch des Nutzerflusses im Internet ab. Durch die fehlende Verlinkung auf Presseerzeugnisse von Verlagshäusern würde ohnehin eine Parallelwelt entstehen. Sozusagen ein zweites Internet der Neuigkeiten und Themen nur mit dem Unterschied auch unabhängigere Meinungen und Facetten zu bekommen. Bloggern wird ohnehin Semiprofessionalität zugeschrieben, warum also nicht gemeinsam ein professionelles Netzwerk aus unendlicher Themenvielfalt erstellen? Auch als Chance für die deutschsprachige Blogosphäre. Viel schlimmer kann es ohnehin nicht mehr werden und Kompetenzen kann jeder einzelne in seinem Fachgebiet aufweisen. Ein unentbehrlicher Vorteil gegenüber dem konventionellen Journalismus.

In diesem Netzwerk der verschiedensten Kompetenzen werden die Blogger sowohl qualitativ als auch quantitativ den sogenannten Qualitätsjournalismus um Längen schlagen. Und die neue Renaissance und der Durchbruch der deutschsprachigen Blogosphäre wird nicht mehr weit entfernt sein.

Was meint Ihr dazu? Ich bin auf die Euer Feedback gespannt.

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