Leistungsschutzrecht und Hartz IV: Was Blogger und Arbeitslose gemeinsam haben
Blogger, Webseitenbetreiber und Arbeitslose haben in den letzten Wochen doch einige parallelen zueinander aufweisen können. So wurde nahezu zeitgleich den Hartz IV Empfängern jegliche Zukunft genommen und den Bloggern wird im Bezug auf das Leistungsschutzrecht ebenfalls Angst und Bange. Was ist also passiert?
Zunächst zu den Beziehern von Sozialleistungen: Hartz IV und Langzeitarbeitslosigkeit werden zusätzlich durch die zumeist diffamierende mediale Berichterstattung und die gesellschaftliche und soziale Häme erschwert. Trotz Minijobs und geringfügigen Beschäftigungen hatten Hartz IV Empfänger bis vor einigen Monaten allerdings noch die Möglichkeit und vor allen Dingen die Hoffnung ihre Kompetenzen in einem neuen Beruf als Quereinsteiger zu beweisen und dadurch auch wieder einen eigenständigen Haushalt und vielleicht die eigene Familie zu finanzieren.
Durch den meiner Meinung nach vollkommen überzogenen Shitstorm welcher in den letzten Wochen kurzzeitig aufkam und eher auf Frau von der Leyen und Frau Schröder gemünzt war mit ihrem Vorschlag doch Hartz IV Empfänger als Erzieher einzulernen und im Jahre 2013 zur Bewältigung der geforderten Krippenplätze einzustellen. Wie ich schon in einem früheren Artikel schrieb, hat das Internet in diesem Falle wieder sein hässliches Gesicht gezeigt: Unreflektierte Meinungen treffen auf vergangene Sünden von diversen Politikern. Diesmal allerdings auch zum Leidwesen der Sozialleistungsempfänger. Nach einer solchen heftigen Berichterstattung und vor allen Dingen Diskussion mit dem Ausgang dass ein Hartz IV Empfänger in der Gesellschaft nicht viel wert ist und einen gesellschaftliche hoch angesehenen und vor allen Dingen dringend benötigten Beruf wie des Erziehers nicht ergreifen darf, hätte mich sehr stark verunsichert. Der sogenannte “War of Talents” also der Kampf um Talente ist weltweit und in allen möglichen Unternehmen in vollem Gange. Und für die Denunzierten ist hier nunmal kein Platz mehr. Zum Kompetenzlosen abgeschrieben eben.
Bezüglich des Leistungsschutzrechtes und den Bloggern habe ich auch schon einiges geschrieben. Die Blogger haben im Bezug auf das drohende Leistungsschutzrecht Angst vor einem Verlust der eigenen Kompetenz vor dem Leser. Wieso denn das? Es mangelt an Selbstvertrauen. In der Zeit vor dem Leistungsschutzrecht hat man noch das Glück seine Meinung mit entsprechenden Quellen zu untermauern. Zukünftig wird dies jedoch anders aussehen: Dank dem Leistungsschutzrecht muss entweder eine Abgabe an das bspw. Nachrichtenmagazin entrichtet werden oder im schlimmsten Falle wird man eben abgemahnt. Dies allerdings auch nur wenn man bspw. einen entsprechenden Link in einem Artikel oder einem Posting auf einem Sozialen Netzwerk untergebracht hat. Bitte, was? Ja aufgrund der schwammigen Formulierung des Leistungsschutzrechtes ist auch ein abmahnen sämtlicher Nutzer von sozialen Netzwerken nicht auszuschließen. Darüber müssen in erster Linie also Gerichte entscheiden.
Aber wie dem auch sei: Aufgrund der hochgepushten Artikel und Meinungen gegen das Leistungsschutzrecht hat man sich komplett vergessen mit der Zukunft zu beschäftigen. Denn aus Sicht der Netzentwicklung und der Netzneutralität ist eine solche Entwicklung auch positiv. Kompetenzen werden zukünftig bestärkt ohne auf die Verlinkung zu renommierten deutschsprachigen Portale von Verlagshäusern angewiesen zu sein. Man verlinkt einfach auf andere Blogs oder ausländische Medien. Doch aufgrund der aktuellen Resonanz bemerkt man: Die Blogger haben sich jegliche Kompetenz abgeschrieben.
Was also den Hartz IV Empfängern und den Bloggern im Allgemeinen fehlt ist neues Selbstvertrauen und ein Bestärken der Kompetenzen untereinander. Die Hartz IV Empfänger haben allerdings das weitaus härtere Los gezogen, durch die lächerlichen Bewerbertrainings und Gängelungen auf den Agenturen für Arbeit, sind sie im Kampf um Talente schon komplett aussortiert worden und nur noch für Kleinst- bzw. Fließbandarbeiten gerne gesehen. Wenn sich die potentiellen Arbeitgeber nicht komplett von den Medien aus TV-Kanälen beeinflußt lassen haben. Kompetenzen werden also nicht gefordert und gefördert sondern hingehalten und verkümmern. Das Motivation und Selbstvertrauen dann heftigst stagnieren ist wohl auch klar.
Kommen wir aber wieder zurück zu den Bloggern und der damit entstehenden Parallele. Auch hier sind Motivation und Selbstvertrauen heftigst angegriffen. Immerhin muss man künftig voll und ganz hinter den eigenen Worten ohne eine anerkannte Referenz im Hintergrund argumentieren können. Es mangelt also an Selbstvertrauen und eventuell auch an Kompetenz. Blogger können sich gegenseitig unterstützen und Kompetenzen ergänzen und dadurch auch wieder das Selbstvertrauen angesichts des Leistungsschutzrechtes wieder aufbauen. Ein Hartz IV Empfänger kann dies jedoch nicht. Er ist auf die Anerkennung von verkannten Kompetenzen angewiesen und hat mit Sicherheit vielmehr Potential als es ohnehin von den Medien gerne dargestellt wird.
Nun hat der Blogger allerdings kein Imageproblem, der Hartz IV Empfänger jedoch schon. Und auch um in Zukunft die Kompetenzen von jedem Einzelnen anerkennen zu können, brauchen wir auch den entsprechenden Respekt voreinander. Dies schaffen wir aber auch nur wenn wir uns Möglichkeiten schaffen und uns Respekt erweisen. Unreflektierte Reaktionen schaden immer den Leuten die die kleinste Stimme haben. Die Anerkennung von Kompetenzen ist ab dann nur noch Nebensache und kommt ganz beiläufig.
Was haltet Ihr davon? Sollte man Hartz IV Empfängern zukünftig richtige Kompetenzzentren zur Verfügung stellen? Und brauchen Blogger vor dem Leistungsschutzrecht wirklich soviel Angst zu haben, wie es im Moment den Anschein hat? Ich bin gespannt auf Eure Reaktionen.