Social Networks: Die Grenzen sozialer Intelligenz

Mangelt es Facebook an sozialer Intelligenz? Dies war eine Frage welche sich Anna Ermann schon vor einigen Wochen stellte. Und recht prompt kam entsprechend eine Antwort. Die Reaktionen darauf waren geteilt. Auf Facebook wurde der Brief gefeiert, auf Twitter als Normalität abgetan und auf Google+ wurde letztlich der Beruf der Autorin in Frage gestellt.

Somit kommen wir schon zu Feststellung Nummer 1 bezüglich der sozialen Intelligenz der neuen Medien: Doof sind immer die anderen. Schon in den 90ern gab es im Internet immer nur eine Diskussion: Linux oder Windows? Danach: Netscape oder Internet Explorer? Chrome oder Firefox? HTML5 oder Flash? Facebook oder Twitter? iOS oder Android? Und vollkommen egal wie die Argumenationen der jeweiligen Gegenseite waren und sind, man wurde und wird spätestens nach zwei oder drei kurzen Sätzen schon vollkommen haltlos angefahren. Man erweist sich in vielen Fällen selbst als nicht kritikfähig: Ein weit verbreitetes Verhalten in der aktuellen Generation der Social Networks.

Feststellung Nummer 2: Egal was passiert ist, der Hintergrund interessiert mich eigentlich überhaupt nicht. Wenn der Shitstorm tobt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten. Durch ihn wurden mittlerweile Politker gestürzt, politische Systeme neu aufgestellt und Banalitäten für moralisch unpässlich erklärt. Die Grenzen von äußerst albern zu sehr ernst ist bei den jeweiligen Shitstorms meist nicht mehr auszumachen. Und Richtigstellungen und Reaktionen auf einen Shitstorm gehen im allgemeinen Grundrauschen des Internets unter. Wer im Internet und den Social Networks also nicht aufmerksam ist wird immer nur eine Seite der Medaille kennenlernen können. Aber dieses Verhalten ist ebenfalls prägend für den Internetnutzer des Jahres 2012: Ausschließlich reaktionär und in den seltensten Fällen selbst aktiv.

Feststellung Nummer 3: Die anderen machen es auch nicht besser. Eine meiner Meinung nach fatale und gefährliche Entwicklung im Internet. Die sogenannten Multiplikatoren, also Tageszeitungen, Blogger, Social Media Entrepreneure und News und Techblogs, sind zu großen Teilen nicht mehr in Lage die Informationen welche bspw. über den DPA Newsticker oder diverse RSS Feeds eingehen nicht mehr zu verarbeiten. Meldungen werden also unreflektiert übernommen und lieblos aufbereitet in die sozialen Kanäle gefeuert. Der reaktionäre Journalismus nimmt also überhand, investigativ aufbereitete Reportagen sind mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr sondern innerhalb des Verlaufes eines Tages eine Rarität.

Die Boxedpages Fanpage auf Facebook

Die Boxedpages Fanpage auf Facebook

Was kann man dagegen tun? Zum Beispiel über den Tellerrand schauen! Menschen haben sich in der Vergangenheit immer schwer mit jeglichen Veränderungen getan, haben im Nachhinein aber auch immer festgestellt das die jeweilige Änderung neben mehr Lebensqualität auch mehr Sicherheit und Komfort gebracht haben. Ein Diskussion über die Wahl der Waffen in Form der Social Networks ist also längst nicht mehr zu stellen, weil diese nicht nur dem eigenen Sichtfeld sondern der globalen Entwicklung des Internets und des Social Webs im Wege steht. Aus eben jenem Grunde gibt es meinen privaten Twitter Account mit dem Namen Monochrom-Rassist. Es geht also wie im normalen Leben nicht darum schwarz oder weiß zu verabscheuen sondern sich dem gesamten Sprektrum an Farben zu widmen welche das Leben bietet. Und so verhält es sich schließlich auch mit den Social Networks. Schwarzweißmalerei bringt niemanden auf Dauer weiter, und so wie sich Kulturen vermischen sollten es auch die Vielfalt der Dienste im Internet.

Twitter: Soziale Intelligenz im wohl schnellsten Netzwerk der Welt

Twitter: Soziale Intelligenz im wohl schnellsten Netzwerk der Welt

Wir stehen uns selbst im Weg wenn wir uns unseren Kritikern in den Weg stellen. Facebook bspw. hat für die Kurzlebigkeit von Services im Internet eine mittlerweile bemerkenswert lange Lebensdauer, aber wir wissen auch dass dies nicht für immer der Fall sein wird. Und genauso kritisch sollten wir uns den Diensten gegenüber Verhalten welche uns kostenfrei angeboten werden. Der Blick über den Tellerrand ist es also immer wieder von neuem Wert. Tag für Tag.

Und wie haltet Ihr es mit den Social Networks? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Akzeptieren Facebook Nutzer bspw. auch kritische Stimmen aus der Twitter Community? Oder halten sich die Nutzer von Google+ alle für so selbstsicher dass diese arrogant und unfreundlich wirken? Wie immer bin ich gepannt auf Eure Meinung und freue mich schon auf Kommentare von Euch.

Veröffentlicht in: Gesellschaft, Social Web Schlagworte: , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>