Webentwicklung: Wer die Entwicklung ins Social Web übersteht
Social Media ist tot, es lebe das Social Web! So oder so ähnlich könnte diese Meldung lauten wenn sich Communities und Social Networks in der Vergangenheit kooperativer Verhalten hätten. Nicht nur den Nutzern gegenüber sondern auch sich selbst. Offene Schnittstellen und Interoperatibilität untereinander werden essentielle Merkmale des Social Webs sein. Eine Eigenschaft welche derzeit nicht jedes Social Network besitzt. Eigentlich kein Einziges.
Web 2.0 ist heute, aber was kommt dann? / Quelle: @Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de
Facebook ist zum Spielen und Chatten, Xing und LinkedIn für Job und Business, Twitter und Google+ für allgemeines politisches und kulturelles Engagement. Und Nein dies ist keine Behauptung sondern spricht in erster Linie für die Nutzerzahlen der jeweiligen Netzwerke und deren Nutzerzahlen. Im Falle von Xing und LinkedIn wurde durch eine aktuelle Studie der Universität Hildesheim sogar der derzeitige gesellschaftliche Fokus bestätigt. Facebook ist reine Kommunikations- und Spieleplattform geworden, trotz der heftigen Kritik in den letzten Monaten und Tagen. Google+ hat in den USA einen massiven Ansturm an Nutzern erlebt und ist dort mittlerweile beliebter als Facebook. Die Welle des Erfolgs wird also auch demnächst nach Europa schwappen. Generell erleben alle sozialen Netzwerke gerade eine neue Renaissance, selbst Twitter hat einen nicht unerheblichen Zuwachs an Nutzern. Einziger offensichtlicher Verlierer ist derzeit Facebook in den USA. Der Markt dort ist vollkommen übersättigt.
Tendenziell ist dies ja gar kein schlechtes Zeichen, der Markt wird über kurz oder lang auch für die anderen Social Networks eine Übersättigung als natürliche Grenze zur Folge haben und jeder Nutzer ist in jedem Netzwerk vernetzt. Die Konsequenz daraus sind allerdings vollkommen überforderte User durch die verschiedenen Apps, Zugangsdaten und die diversen Portale ist es kein Wunder dass die allgemeine Professionalität des Normalverbrauchers mit Computern schon wieder am stagnieren ist, bzw. hier in Deutschland laut Bitkom sogar eher rückläufig. Ein gefährlicher Indikator welcher uns auf die Folgen der Informationsflut aufmerksam macht.
Im Allgemeinen haben die Social Networks eines gemeinsam: Die Tatsache den Nutzer möglichst lange an sich zu binden. Interkommunikation und ständige Erreichbarkeit werden als Innovation gefeiert, aber dies ist ein Trugschluss. Ebenso wie in dem ach so verhassten deutschen Fernsehprogramm lassen wir uns unterbewusst doch von allem möglichen berieseln was uns in der Timeline vorbeirauscht. Neue Features und Änderungen im Layout werden als großer Gewinn in der Usability also der Nutzbarkeit der Networks gefeiert und bringen dennoch massive Einschränkungen. Obwohl man ein eigenes Profil hat ist man nicht in der Lage es auch entsprechend persönlich zu gestalten. Woher bspw. will Facebook wissen wie ich meine Urlaubsfotos angeordnet haben möchte oder warum hat man die Beschränkung bei Twitter Text nicht formatiert zu tweeten? Wir haben uns daran gewöhnt uns in den Social Networks in das gemachte Nest zu setzen. Individualismus ist auch hier nur eine Illusion. Wir stehen nun vor den Grenzen des Social Webs.
Das Web 2.0 stirbt aus. Alle Social Networks sterben aus? Nicht alle. Die primitivste Form des Web 2.0 in Form von Blogs wird überleben. Mit ungewohnten Stärken welche zugleich die größte Schwäche der “großen” Social Networks darstellen: Offene Schnittstellen, Interoperabilität und Individualismus.
Was sich zunächst sehr technisch anhört ist recht einfach zu erklären. Ich nehme dazu an dieser Stelle am ehesten mich selbst als Beispiel: Angefangen hat meine Social Network Karriere auf MySpace, dies allerdings recht spät weshalb mein Profil im Grunde schon obsolet war als ich mich registrierte. So wie viele Deutsche zog es mich danach zu Wer-Kennt-Wen, den Eifer wie ein deutschsprachiges Facebook zu werden aber dennoch vollkommen anders zu sein, merkte man als Nutzer deutlich und war im Nachhinein wohl auch der Grund für dessen Untergang. Im dritten Quartal des Jahres 2010 machte ich dann den Wechsel zu Facebook mit. Ich bin wie viele andere also im Internet von Ort zu Ort gewandert und habe letzlich immer einen festen Platz gesucht. Trends kommen und gehen, und feste Plätze im Internet und den Communities auch.
Aber Eines hatte bis dahin immer Bestand: Blogs welche mich schon über Jahre hinweg begleiteten. Ein Blog kann sich jederzeit den Trends im Web anpassen. Im Zuge des Aufkommens von Tablets, Touchscreens und Windows 8 am 26. Oktober 2012 bspw. wird die Touchoptimierung der Webseiten wohl das nächste große Thema im Internet sein. Und welche Social Networks bis dahin im Trend sind kann einem Blogger egal sein. Die Vernetzung zu neuen Startups, Trends und anderen Communities stellt kein Problem dar und lässt auch jede Menge Optionen hinsichtlich Erscheinungsbild, Vernetzung und Sozialem Leben im Internet zu.
Als Gewinner aus der nächsten großen Evolution der Social Networks und des Internets werden also die Blogs hervorgehen. Die Verlierer werden die derzeit Großen sein wenn sie nicht an ihren Schwächen arbeiten.
Wie seht Ihr die aktuelle Situation? Welches klassische Medium im Internet wird die nächste Evolution überstehen? Ich freue mich auf Eure Meinung und eine angeregte Diskussion.