Gamification: Risiken und Chancen durch Spielelemente in Businessprozessen

Gamification: Wenn Rollenspiel auf Business trifft

Gamification: Wenn Rollenspiel auf Business trifft

Was haben Diablo 3, Facebook, und ein ERP-System gemeinsam? Augenscheinlich rein gar nichts. Bis auf die Kleinigkeit dass jedes Stück Software auf einer mehr oder weniger performanten Programmierprache basiert. Aber es gibt noch eine andere Entwicklung: Welche recht interessant die Einflüsse des menschlichen Spieltriebs in Prozesse und Arbeitstechniken jedweder Art aufzeigen und in die Praxis umsetzen. Gamification.

Aber zunächst: Was ist eigentlich Gamification? Gamification ist die Bezeichnung für Software welche in unternehmerischen Prozessen mit spielerischen Elementen angereichert wird. Ein einfaches Beispiel? PowerPoint Präsentationen und Excel Sheets. Auch hier wird mit Animationen und mittels bedingter Formatierung die Arbeit mit der jeweiligen Software nicht nur einfacher gemacht sondern auch effektiv optisch aufgewertet. Auch im Beispiel mit Social Networks sehen wir dass das Klickibunti Prinzip im jeden Falle positiv ist um dem Nutzer mehr eigene Daten zu entbehren. Denn auch hier werden simpelste Elemente der Gamification verwendet, bspw. durch ein Benachrichtigungspopup in Facebook welches nicht nur im Sinne der Usability nützlich ist, sondern wie in einem Rollenspiel solange aufblinkt bis man in irgendeiner Form damit interagiert. Grob gesehen gibt es die Gamification also schon mehrere Jahre. Man musste lediglich wieder einen Term für die Beschreibung dieses Prozesses finden welcher letztlich sehr stark mit den Elementen der Usability also der Nutzbarkeit und der Nutzerakzeptanz verwandt ist. Gamification also.

Damit nach Erfahrungspunkten und erworbenen Rängen der Mastery Mountain, also das Level-System, im wesentlichen nicht aus dem Konzept gebracht wird, ist es selbstverständlich nicht unerheblich durch einen gut designten Entwurf eine langlebige Motivations- und Erfahrungskurve anzubieten. Ein extrem gutes Beispiel welches auch die Autodidaktischen Vorzüge einer Anwendung unter Verwendung der Elemente der Gamification nutzt ist die Codecademy. Hier ist es möglich spielerisch die wichtigsten Programmier und Skriptsprachen im Internet zu erlernen.

Und Gamification funktioniert. Am Beispiel der Überschwemmung des Computerspiele Marktes mit Casual Games sieht man dass die Kombination aus leicht zu erlangenden Errungenschaften und positivem Feedback als Dopamin-ausschüttender Glückscocktail fungiert. Auch die Integration sozialer Webdienste in gewöhnliche Office-Umgebungen führt zum Erfolg. Denn dauerhaft motivierte Mitarbeiter gehen auch mit mehr Leidenschaft an ihre Tätigkeiten.

Es gibt jedoch nicht nur positive Eigenschaften an dem Phänomen Gamification. Zwar werden die Motivationsfaktoren für scheinbar langweilige wiederkehrende Aufgaben immens vervielfacht, aber wenn auf Dauer der eigentliche Sinn und Zweck der Aufgabe in den Hintergrund gestellt wird und man salopp gesagt keine Ahnung hat, warum man denn nun explizit diese Aufgabe ausführen muss, ist etwas falsch gelaufen. Das gesamte Konzept um eine ursprüngliche Business Application spielerisch zu gestalten muss also im Vorfeld gut strukturiert, gut durchdacht und gut geplant sein. Auch das Thema der Gamification muss gut überlegt sein. In einem ERP-System für bspw. einen Automobilkonzern kann als durchgängiges Thema nicht ein Bauernhof oder ähnliches agieren. Das ist zu abstrakt. Sowohl in der Außendarstellung als auch für die Mitarbeiter welche vermutlich absolut gar keinen Kontext dazu herstellen können.

Außerdem geht von der Gamification auch eine große, im Moment jedoch nur unterschwellig vermittelte, Gefahr aus. Denn hinter jeder noch so spielerisch und bunt gestalteten Anwendung stehen letztlich Menschen. Und wenn eines Tages Applikationen auf Tablet oder Smartphone zur Verfügung stehen welche dem Manager ermöglichen komplette Standorte zu verlegen oder gar zu schließen, nur aufgrund der auf Wirtschaftlichkeit erschaffenen Trigger via Enterprise Management Anwendung, dann gibt es ein Problem. Ab diesem Zeitpunkt sind Menschen dann wirklich nur noch reine Zahlen. Dieser Aspekt der Entwicklung ist mit Vorsicht zu genießen. Das menschliche Leid und die ganzen sozialen Faktoren auch im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung, ist gar nicht möglich auch nur zu Bruchteilen in der Anwendung dem Nutzer vermitteln. Das Gefahrenpotential und die weitaus fataleren Folgen sind also möglich.

Letztlich ist die Gamification eine großartige Sache. Auch wenn diese schon lange vor der eigentlichen Begrifflichkeit bzw. Terminologie da war. So versucht man jetzt immerhin Businessapps spielerischer und motivierender zu gestalten. Doch für die Zukunft sollte man immer die große Gefahr mit in der Entwicklung und Konzeption gamifizierter Anwendungen beachten.

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