Urheberrecht: Alles kostenlos?

Die GEMA - Fokus der Diskussionen ums Urheberrecht seit einigen Jahren

Die GEMA - Fokus der Diskussionen ums Urheberrecht seit einigen Jahren

In einer Studie (PDF) des Allensbacher Institutes zum Urheberrecht und dem allgemeinen Verständnis immaterieller Güter im Internet ist es zu erschreckenden Zahlen gekommen. Demnach sprechen sich 46% der Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen explizit gegen ein Urheberrecht im Internet aus. Gerade einmal 39% sprechen sich explizit für ein Urheberrecht im Internet aus. Die Leute die sich für ein Urheberrecht aussprachen taten dies auch nur um Künstlern, Musikern und den Erstellern geistiger Inhalte die Möglichkeit zu geben von ihrer Arbeit zu leben. Und dies ist auch die eigentliche Besonderheit dieser Studie, ohne manipulative Argumente der Verwertungsindustrie konnte endlich eine unabhängige Meinung abseits von Verlagshäusern und Plattenfirmen eingeholt werden.

Doch was sagt das über uns aus? Kazaa, Emule, kino.to und die ganzen Torrents sind nicht vergessen sondern befinden sich noch stark im Bewusstsein der Internetnutzer Deutschlands. Wie die Studie sich schon selbst betitelte ist “Alles kostenlos?” die korrekte Frage die sich stellt. Aber in sich keinen Sinn ergibt.

Denn ob Künstler, Musiker, oder Schriftsteller: In irgendeiner Form muss der Mensch dahinter überleben. Und wenn keine Tantiemen über den Verkauf von bspw. Musiktiteln herein kommen, müssen im Gegenzug mehr Konzerte gegeben werden. Dies hat zur Folge dass nicht nur die Einzelveranstaltungen an sich weitaus teurer werden, sondern der Künstler als solches nur noch mit dem touren beschäftigt ist und dadurch keine Zeit mehr im Studio verbringen kann / möchte. Um am Beispiel der Musik zu bleiben haben wir auch noch die Tarifänderungen von Seiten der GEMA welche es den Künstlern als solches noch schwerer machen Konzerte gewinnbringend zu monetarisieren. Auch die 10 Euro Streamingdienste a la Spotify oder Simfy machen es den Künstlern noch schwerer sich generell über Wasser zu halten. Und die Streamingdienste sind sich darüber bewusst lieber kein transparentes Modell zur Verfügung zu stellen, damit vor dem Endnutzer kaschiert wird das der Künstler letztlich pro gehörtem Titel nicht einmal einen einzigen Cent zur Verfügung gestellt bekommt. Selbst wenn ein Künstler bei Simfy oder ähnlichem an die 6000 – 7000 Plays hatte, ist er vom Reinerlös noch weit von dem Entgelt entfernt welcher ein Langzeitarbeitsloser von der Agentur für Arbeit in einem Monat zur Verfügung gestellt bekommt. Der Pakt mit Streamingdiensten für den Künstler ist also bitter und letztlich ein Nullgeschäft im Vergleich zum Verkauf digitaler Alben oder eben der CD. Kleine Künstler bleiben also klein und große Künstler bleiben groß. Der Kleinkünstler und eigentlich wichtigster Dreh- und Angelpunkt im kulturellen Zeitgeschehen kann also tatsächlich nur von der Hand in den Mund leben.

Und auf der anderen Seite wird dann hier im Internet die Kostenloskultur empor gehalten. Vielleicht ist das Verständnis von Kulturgütern so klein dass es wie beim Leistungsschutzrecht erst in Comicform gebracht werden muss. Wenn ich beim Bäcker Brötchen verlange muss ich letztlich ja auch dafür zahlen. Die Brötchen stehen in dem Moment metaphorisch für das geistige Eigentum und selbstverständlich bin ich in der Lage mein Brötchen mit anderen Leuten zu teilen. Aber man kann es eben nicht duplizieren. Vor dieser mechanischen Problematik sollte man sich darüber bewusst sein dass eine Möglichkeit gefunden werden muss Künstler im Internet entgeltlich in irgendeiner Form zu entschädigen. Ob es jetzt eben ein Video-, Bilder-, Musik-, oder Schriftstellerbäcker ist, ist dabei vollkommen egal. Wie man bisher feststellen konnte, haben auch recht viele Ateliers und Fotografen ihr komplettes Potential und deren Arbeiten in die sozialen Netzwerke verschossen, mit dem Nebeneffekt dass man zwar extrem gutes Feedback bekommt aber letztlich so gut wie keine zahlende Kundschaft.

Die Vorstellung komplett kostenfreier Inhalte im Internet ist ein Utopie. Aus eben jenem Grunde habe ich mich von meinem Streamingservice Simfy verabschiedet weil ich den Kannibalismus der Musikindustrie und dem Gedanken dass der Künstler welcher von mir mit meinen 10 Euro subventioniert werden sollte, letztlich keine Tantiemen erhält unerträglich ist. Und mal ganz ehrlich: Wer möchte tatsächlich für Nichts arbeiten?

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen dazu. Auch Künstler und Befürworter einer Kostenlos-Kultur sind herzlich eingeladen sich an der Diskussion zu beteiligen.

Veröffentlicht in: Gesellschaft, Kultur Schlagworte: , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>