Musikstreaming: Bye Bye, Simfy!

Wie ich in einem vorigen Artikel schon angedeutet habe, ist meine Zeit mit Musikstreamingdiensten nun zu Ende. Mein simfy-PremiumPlus Abo wurde von mir gekündigt und ab dem 22.9.2012 gelöscht. Ich hätte mein Konto auch ohne Probleme “einfach so” kündigen können ohne großen Wind darum zu machen. Aber ich habe mich dazu entschieden mit diesem Artikel auch symbolisch ein Zeichen gegen die Kannibalisierung der Musikindustrie durch Streamingdienste zu setzen.

iQuit: simfy wird gekündigt

iQuit: simfy wird gekündigt

Und damit im Vorfeld nichts falsch verstanden wird: Dieser Artikel richtet sich nicht einzig allein gegen simfy, Spotify, Juke, Napster oder wie die Dienste alle heißen sondern gegen das komplette Geschäftsmodell dahinter. Selbst Bruce Willis findet die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von iTunes  denkwürdig, und klagt gegen den Fakt das gekaufte Musikstücke sich nicht vererben lassen. Vermeintlich gekaufte Titel sind nur noch digitale Besitztümer. Kulturverlust durch die Cloud. Und auch die Möglichkeit via Cloud Musik zu sich nach Hause oder aufs Smartphone streamen zu lassen, kommt letztendlich einem mittelalterlichen Ablass gleich. Einmal gezahlt, Kultur für immer. Ein grandioses Prinzip welches sich im Sinne der Mobilfunk- und Netzinfrastruktur bisher immer gut umsetzen ließe: Die Flatrate.

Es gibt allerdings einen Aspekt welcher bisher nicht beachtet schien. Im Gegensatz zu Bandbreiten und Protokollen welche immer wieder optimiert werden können und deren Kapazitäten theoretisch unendlich sein können, ist die kulturelle Kapazität eben nicht endlich. Der Aufwand ist derselbe wie vor Jahren, das Entgelt jedoch ist komplett rückläufig. Um dies zu verdeutlichen habe ich mich mal an einer kleinen Tabelle welche die traditionellen Medien (CD, Musik Download) gegenüber den Cloudbasierten Diensten gegenüberstellt.

Vermarktungsstrategien von Künstlern im Vergleich

Vermarktungsstrategien von Künstlern im Vergleich

Ich bin großzügig davon ausgegangen dass jeder Titel eines Albums ca. 100 Mal von einem Hörer angehört wird. Aber selbst bei dieser optimistischen Ausgangslage sieht man eines an der Tabelle deutlich, bei dem theoretisch gleichen Absatz stagniert das letztliche Entgelt welches bei dem Künstler tatsächlich, abseits von Produktion, Vertrieb, Herstellung usw. ankommt um bis zu 35%. Bei höheren Absatzzahlen ist der Verlust mit hoher Wahrscheinlichkeit noch drastischer. Und die Angabe mit 2 Cent pro Titel beim Streaming sind ebenfalls sehr großzügig gewählt worden.

Selbstvermarktung als letzter Ausweg für Künstler?
Natürlich können sich die Bands und Künstler nicht vor den neuen digitalen Medien wehren und müssen einen Weg finden mit diesen auf eine lukrative Art und Weise zu arbeiten. Die Selbstvermarktung könnte ein Anfang sein, der Vertrieb und das Marketing über einen Dritten entfällt komplett und rund 50% der Entgelte welche Produzenten und Managern zu stünden fielen weg. Alexander Stein wird dazu aus eigener Sicht demnächst einen Artikel veröffentlichen welcher sich ausschließlich mit der Selbstvermarktung von Künstlern auseinandersetzt.

Selbstverständlich ist es ein theoretisch riesengroßer Markt den man, als Band bspw. über iTunes erreichen könnte. Alleine durch iPod, iPad und iPhone ist iTunes theoretisch auf 435 Millionen Rechnern oder Macs installiert, aber man sollte das realistisch betrachten und auch die regionalen Einschränkungen beachten weil man bspw. nur auf deutsch singt. Der Markt hat sich im wesentlichen also nicht verändert, auch wenn das Internet im Laufe der Zeit alle ein Stück näher zusammen gebracht hat.

Zu dem Thema gibt es insgesamt vollkommen gegensätzliche Stimmen. Es wird teilweise sogar davon ausgegangen, dass Professionelle Musiker bald der Vergangenheit angehören, eine partielle Kannibalisierung in der Branche stattfindet oder die Künstler einfach direkt bezahlt werden sollten ohne den Weg über Verwertungsgesellschaften oder der GEMA. Ich persönlich sehe einen Weg für die Musikstreaming Zukunft wenn eine Art “Fair-Trade”-Tarif eingeführt werden würde. Ab 10 Euro aufwärts könnte jeder soviel für seine Musik bezahlen wie er für korrekt hält. Das würde die Beziehung zwischen Künstler und Konsument nicht beeinflussen und jeder kann seinen Lieblingskünstler soviel Geld zahlen wie er für richtig hält bzw. was das eigene Budget vertritt. Voraussetzung dafür müsste allerdings eine transparente Politik von Seiten der Streamingdienste sein. Und weil niemand gerne mit Dreck um sich wirft, ist von dieser Seite nicht mit einer solchen Aktion zu rechnen.

Somit verabschiede ich mich von simfy, und kann endlich wieder ohne schlechtes Gewissen gegenüber meinen Lieblingskünstlern Musik hören. Bye Bye, simfy!

Wie immer freue ich mich auf jegliche Form von Feedback und Eure Meinung zu diesem Thema.

Veröffentlicht in: Entwicklung, Gesellschaft, Kultur Schlagworte: , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>