Social Media: Fail am Beispiel der GEMA

Die GEMA - Fokus der Diskussionen ums Urheberrecht seit einigen Jahren

Die GEMA - Fokus der Diskussionen ums Urheberrecht seit einigen Jahren

Das Internet als Einbahnstraße, eine arrogante Haltung gegenüber den Clubs und zu beharrlich verteidigte Standpunkte führen bei der GEMA derzeit zu einem noch schlechteren Ansehen wie jemals zuvor. Gestern gab es im Sinne der “Fairplay – Gegen GEMAinheiten“-Aktion bundesweit Proteste und Demonstrationen gegen die von der GEMA geplante Reform für den April 2013. Die Abgaben an die GEMA für öffentliche Veranstaltungen wie bspw. Diskotheken oder Live-Konzerte sollen auf rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes des jeweiligen Veranstalters gerechnet werden. Eine detailliertere Ausführung der einzelnen Abgaben haben sowohl Mittelstern und Digital Noble Savages.

Aber darum geht es hier gar nicht. Am Beispiel der GEMA möchte ich an dieser Stelle präsentieren was ein Unternehmen alles falsch machen kann bei der Präsenz in Social Networks. In erster Linie hat sich die GEMA in Twitter, Facebook und MySpace mit Namen “GEMAdialog” eingenistet und hat eine sehr stark fragmentierte offizielle Website. Was als solches ja schon mal ein ganz guter Ansatz ist, wenn die Kommunikation nicht so dermaßen eingeschränkt wäre. Es ist wichtig die Zielgruppen und die jeweiligen Medien zu verstehen und auch entsprechend damit zu interagieren. Wenn bspw. ein Kommentar oder ähnliches erscheint, wird dieser moderiert oder eben beantwortet. Ganz normales Business im Internet. Manche Firmen setzen dafür sogar komplette Social Media Teams ein.

Kommunikation
Bei der GEMA scheint dies jedoch nicht der Fall gewesen zu sein. Zwar wurden sogar auf Golem.de “Jubel-Teams” für die gestrigen Demonstrationen angekündigt und diese von Seiten der GEMA in Form eines PR-Teams bestätigt, aber der große Run auf die Social Networks blieb aus. Sowohl auf Twitter, MySpace und Facebook hat man das Thema einfach komplett ignoriert. Eventuell hatte das PR-Team auch eher eine beratende Funktion und hat dementsprechend geraten lieber gar nichts zu tun, bevor noch mehr Proteste aufwallen. Den vorigen Tag wurde zumindest von der Berlin Music Week berichtet.
Und auch dies ist ein Zeichen des kompletten Unverständnisses für die neuen Medien. Nutzerkommentare auf den Fanpages und Mentions bei Twitter werden zwar zugelassen aber komplett ignoriert. Einseitige Kommunikation ist in den Social Networks keinesfalls förderlich. Das ist nicht so wie vor 20 Jahren als man fingierte Artikel oder Werbung in Tageszeitungen geschalten hat und anschließend Umfragewerte komplett ignoriert hat. Social Media bedeutet Kommunikation bzw. Dialog. Ironischerweise ist ein richtiger GEMAdialog niemals zustande gekommen, somit hätte man sich von Anfang an mit GEMAmonolog bei den jeweiligen Präsenzen anmelden können, weil die Kommunikation wie gesagt nur einseitig stattfindet.

Medienkompetenz
Mein persönlicher Favorit bei alle dem ist jedoch die Facebook Seite des GEMAdialogs, so hat man auf der Titelseite Öffnungszeiten (!) der Fanpage angegeben, was für den normalen User ja ausdrückt: “Wir sind zwar da, aber am Wochenende und von Spätabends bis am frühen Morgen kannst Du von uns ohnehin nichts erwarten.” Die Leute im Internet sind sich darüber bewusst, dass Fanpages nicht rund um die Uhr mit Social Media Teams besetzt sind, dass braucht man nicht nochmals mit dem spektakulären, abweisenden Beamtendeutsch zu deklarieren. Ich habe mal einen Screenshot davon angefertigt.

GEMAdialog Fanpage: Der rote Kreis beweist Unverständnis

GEMAdialog Fanpage: Der rote Kreis beweist Unverständnis

Zielgruppenverständnis
Die GEMA hat es in der Auswahl der Zielgruppen nicht wirklich leicht. Im Prinzip ist jede Generation und jede Altersklasse teil der riesengroßen Zielgruppe der GEMA. Es geht ja in erster Linie darum Toleranz für die eigenen Interessen zu schüren und dabei auch auf die Interessen der Zielgruppe einzugehen. Der GEMAdialog setzt jedoch sein ganz eigenes Zeichen, abgesehen von der Glorifizierung von Künstlern wie Manfred Krug, reagiert man nicht einmal ansatzweise auf einen Teil der Zielgruppe. Sondern kommuniziert nur per Pressesprecher. Bei der letzten öffentlichen Mitteilung hat man darauf hingewiesen dass die Demonstranten von Fairplay sich doch wieder an den Verhandlungstisch setzen sollen. Im selben Zuge hat man nochmals darauf hingewiesen dass man den eigenen Standpunkt weiterhin vertreten wird. Das bedeutet: Die Generation der Diskogänger und Konzertbesucher (also so ziemlich alles zwischen 10 und 80 Jahren) ist für die GEMA nicht interessant und darf einfach mal übergangen werden.

Fazit
Exakt diese Einstellung bricht der GEMA früher oder später das Genick. Abgesehen davon auf dem Bloggingsystem des schon längst schon totgesagten MySpace zu verharren sollte man auch tatsächlich einen Dialog mit der Zielgruppe starten. Sich dann selbst auch noch mit GEMAdialog zu titulieren ist einfach nur zynisch. Insgesamt war es ein totaler Fehler der GEMA jemals so unvorbereitet mit dem Internet in Kontakt gebracht zu werden. Es gibt nur Verlierer auf beiden Seiten. Und die Verlautbarung es sei ein spezielles Team für die Verstärkung des Social Media Teams arrangiert worden ist, wenn man sich die gesamte Konzeption des Auftritts der GEMA anschaut, mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach nicht wahr. Vielmehr ist zu vermuten das ein einsamer Mitarbeiter mit der Präsenz im Internet betraut wurde und sich aufgrund der massiven Kritik nicht traut einen tatsächlichen transparenten Dialog zu gestalten. Dies ist zumindest der Eindruck den die GEMA mit dem GEMAdialog als totales Negativbeispiel von Business Accounts in Social Networks vermittelt.

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