Meinungsfreiheit gegen Datenschutz: Das Like Dilemma
Der “Gefällt mir Button” war vor Gericht, weltlich vertreten durch Daniel Ray Carter Jr. aus Hampton, Virginia. Um was es ging? In einem Wahlkampf beglückte der Hilfssheriff die Facebook Seite des Gegenkandidaten seines ebenfalls kandidierenden Arbeitgebers mit einem Like. Im weiteren Verlaufe des Verfahrens wurde die Klage zuerst abgewiesen und im Urteil mit dem Tragen eines T-Shirts verglichen. Ein Like ist also eine öffentliche Meinungsäußerung. Überall. Egal ob geplussed wird, retweeted, gepinnt oder einfach nur geteilt.
Doch wie sieht das eigentlich mit dem Datenschutz aus? Will ich mit einem Like auch in der breiten Öffentlichkeit meinen Moment der Euphorie teilen? Oder tue ich dies tatsächlich aus freiem Willen und bin mir bewusst über die Konsequenzen eines bspw. Retweets?
Zunächst einmal: Jedes Social Network der drei großen sieht das ein bisschen anders.
Facebook hat wie ich in der Vergangenheit schon öfters erwähnte, die Wall mit gelikten Postings künstlich aufgebläht, um den künstlichen Strom mit mehr Geschwindigkeit und Dynamik auszustatten. Ein Like entspricht auch von den viralen Faktoren her einem willentlichen Posting. Im Prinzip ist jeder Interakteur auch gleichermaßen sozialer Multiplikator. Gesagt wird das dem Nutzer nicht. Nur wenn er tatsächlich ein aufmerksamer Surfer ist.
Twitter lässt auch gar nicht viele Möglichkeiten, macht es dem Nutzer jedoch bewusst das jede Interaktion (abgesehen von privaten Nachrichten) in der Regel auch öffentlich einsehbar ist. Selbstverständlich hat man auch die Möglichkeit sein Profil hermetisch nach außen hin abzuriegeln, aber dann braucht man eigentlich auch kein Twitter zu benutzen. Twitter lebt von einer transparenten Atmosphäre. Und somit ist auch jeder Retweet, jedes Faven und sonstiges Interagieren in der Regel auch für jeden ersichtlich.
Google+ hingehen ist konsequent. Plussen kann per Standardeinstellung zwar auch eingesehen werden, allerdings mit erheblich mehr Aufwand, das einzige was für jeden direkt ersichtlich ist, ist das explizite Teilen von Beiträgen. Man hat sich also um das Datenschutzthema hinsichtlich willentlicher und unbewusster Angaben vermeintlich gesorgt. Selbstverständlich wäre Google blöde die Daten welche durch bspw. YouTube, GMail entstanden sind, nicht weiter zu Werbezwecken zu nutzen um das Targeting, also das Zielgruppengerechte werben, zu ermöglichen und auf alle Fälle zu verfeinern.
Im Übrigen machen solche Aktionen wie Targeting, Data Mining usw. ohnehin alle Social Networks. Und solche die es nicht machten wie bspw. Diaspora zerbrachen daran, weil Ihnen scheinbar aufgrund des Datenschutz Schwerpunktes auch nicht bewusst war, das auch Werbung bzw. Kreativ- und Produktstreams in welcher Form auch immer wichtig für die Bildung von Knotenpunkten sind. Anders lässt es sich nicht erklären dass zum Beispiel auch Volkswagen und Britney Spears beliebte Anlaufpunkte bei Google+ sind. Menschen sind Konsum gewöhnt und suchen auch nach diesem als Orientierungspunkt und um Gleichgesinnte anzutreffen.
Wie dem auch sei. Auf Basis des Datenschutzes hier in Deutschland hat man sich dazu entschlossen hier weitestgehend die 2-Klick Regelung für soziale Buttons einzuführen. Also einen Klick um den Datenschutz “zu entfernen” und den zweiten Klick um bewusst das Liken, Tweeten oder Teilen zu ermöglichen. Nun aber unterbindet ein solcher Button vehement die Möglichkeit sich selbst zu auszudrücken. Denn bekanntlich ist der normale Internetnutzer faul, und sobald ich eine solche Regelung wo auch immer integriert sehe (bspw. bei heise.de), habe ich auch keinerlei Motivation einen Like zu setzen. Erstmal wirkt der Vorgang befremdlich und zum zweiten Punkt auch sehr steril. Die natürliche und vom jeweiligen Social Network gegebene Nutzererfahrung lässt sich nicht entfalten. Einfach weil es nicht möglich ist, sich mit einem einzigen Klick mitzuteilen. Selbstverständlich könnte man diese Einstellung als nörglerisch oder wahnsinnig im Hinblick auf die diversen Datenschutzskandale der letzten Jahre betrachten, aber dies ist nicht der Fall. Vielmehr versuche ich klar zu machen dass wir uns durch Datenschutz auch sehr stark einschränken. Und paradoxerweise lebt das Internet von seiner und Eurer Freiheit. Einen vollständigen Datenschutz zu etablieren ist also ebenso ein Todesstoß für das freie Netz, wie infrastrukturelle, großflächige Zensurmaßnahmen. Twitter als ganz extremes Beispiel wäre innerhalb von nur 4-5 Tagen komplett tot. Und dies nur aufgrund einer Implementierung von 2-Klick Tweets.
Der Hauptgrund für die 2-Klick Regelung waren neben dem Datenschutz übrigens auch die “Papageien”-Clickjacker, welche insbesondere auf Facebook für viel Wirbel gesorgt haben. Bekannt sind diese als unwillentlich gepostete Videos mit Titeln wie “dieses Mädchen wird nie wieder vergessen die Cam abzuschalten“, “Hamster gegen Goliath”, “X schlägt Y” oder “Unglaublich, dass das passiert”. Nein ich habe mir keine Mühe gemacht die jeweiligen Titel zu recherchieren, aber jeder der ungefähr 2 Jahre auf Facebook ist, sollte wissen was gemeint war. Soviel also zur Historie des Datenschutzes mit Social Networks und den Buttons.
Aus eben diesem Grunde haben wir uns hier auf dem Blog dazu entschieden, jedem Nutzer ohne Einschränkungen das Liken zu ermöglichen. Ganz einfach weil wir davon ausgehen dass der durchschnittliche Internetnutzer kompetent genug ist um sich den Postings im jeweiligen Social Network bewusst zu sein. Denn wenn man jedem auf die sprichwörtlichen Finger klopft und ihm sagt “Denke an den Datenschutz” hat auch niemand mehr Interesse daran, tatsächlich ein Bewusstsein für Datenschutz aufzubauen. Denn Medienkompetenz und Datenschutz müssen Spaß machen.
Wie seht Ihr dieses Thema? Lieber eine 2-Klick Regelung im Internet oder seid Ihr für mehr Meinungsfreiheit auf den großen Portalen? Ich freue mich auf Eure Reaktionen und bin gespannt auf Eure Antworten.
