Facebook: Was fehlt ist Konsequenz

Social Networks als Knotenpunkt interkultureller Dialoge / Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Social Networks als Knotenpunkt interkultureller Dialoge / Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Ich habe mir dieses Mal absichtlich Zeit gelassen mit einem Artikel über Facebook. Unter anderem auch um meinen Risikofaktor auf Magengeschwüre zu verringern. Ich möchte auch nicht darauf eingehen dass Facebooks Aktie nur noch 15 Euro wert ist und dieser Wert sich lediglich an die Worte des ehemaligen Entrepreneuren des Internets Marc Zuckerberg hängt. Außerdem gibt es trotz der nun endlich global ausgerollten Chronik, immer noch nicht die Möglichkeit in der Zeit zu reisen. Im Grunde genommen wäre jetzt sogar alles einfacher, direkt neben der Wall einen kleinen Scrollbalken oder ähnliches ermöglichen und plötzlich wäre der Stream im Jahre 2010. An sich denke ich wäre eine solche Funktion äußerst interessant. Aber Facebook möchte dies ja nicht, aus mir unerfindlichen Gründen. Möglicherweise wird solch ein Feature ja zur nächsten F8 angekündigt.

Nein man nimmt sich die Freiheit heraus das Social Network komplett sich selbst zu überlassen. Eine Selbstregulierung funktioniert in der Regel in anderen Netzwerken wie bspw. Twitter. Dort geht nach einem gefundenen Pädophilen oder offensichtlichen Rechtsradikalen Account auch direkt ein kleiner Shitstorm los, welcher recht effektiv innerhalb von 1-2 Stunden die jeweilige Präsenz aus dem Netzwerk löscht. Auf Google+ geht man ähnlich effektiv vor. Nur Facebook beweist in stiefmütterlich handelnder Manier seinen Nutzern dass ihre Interessen sich nicht ansatzweise mit Facebook zu überschneiden. Die Fanpage der NPD bspw. wird regelmäßig von Nutzern gesperrt bzw. blockiert, wobei allerdings von Seiten Facebooks eine Reaktivierung regelmäßig wieder toleriert wird. Jede xbeliebige andere Fanpage wäre mitsamt dem Ersteller schon längst für immer verbannt worden.
Nun bleiben ja nur Mutmaßungen warum Facebook explizit offenkundig Islamophoben, Zusprechern der Todesstrafe und Gegnern des interkulturellen Austauschs so eine große Plattform bietet, wir erinnern uns: Rund 900 Millionen potentielle Nutzer.

Facebook soll ja neben der Funktion des Nachrichtendienstes für jedermann auch gleichermaßen soziales Kommunikationstool sein. Und in sozialen Strukturen muss sich entsprechend angepasst werden. Hier gibt es neben dem Edgerank zahlreiche weitere Filtersysteme welche allerdings nicht oder nur marginal angewendet werden. So werden Bildern mit entblößten Brustwarzen bspw. direkt gelöscht. Und die Gesichtserkennung für das automatische Taggen von Fotos, ist in der Regel auch weitaus komplexer zu schreiben als ein einfacher Filter für Schlagworte. Um es mit anderen Worten auszudrücken: Facebook begrüßt jegliche Form von politischer Minderheit und damit auch “die schlechten”. Die Intentionen dazu sind mir immer noch nicht ganz klar, aber vielleicht hat man einfach Angst davor diverse Zielgruppen zu vergraulen. Der falsche Weg und das falsche Zeichen. Als Portal der Interkulturellen Kommunikation muss man auch entsprechend Position beziehen, das gilt nicht nur für Twitter und Google+ sondern auch für Facebook.

Im Web sieht das im Übrigen vollkommen anders aus, nach einer recht kurzen Recherche musste ich feststellen dass sich neben Dutzenden Burschenschaften, Rudolf Hess Sympathisanten und anderen ominösen Vereinigungen viel zu viele Seiten im Internet befinden mit rechtsradikalem Gedankengut. Wenn man sich allerdings das jeweilige Impressum anschaut, wird einem auch klar warum diese Seiten noch online sind. Zumeist sind die Auftritte in Schweden oder anderen Nachbarländern gehostet. Da kann der beste Verfassungsschutz nichts tun, als zu warten und diplomatische Anträge an die jeweiligen Länder schicken um die Seiten löschen zu lassen. Sehr paradox war dies in der Vergangenheit mit dem sogenannten Thiatzi-Forum, zwar schaffte man es die DNS-Einträge löschen zu lassen, aber mit dem Wissen um die IP war das Forum trotz alledem erreichbar. Mittlerweile ist aber auch das Thiatzi-Forum offline. Es dauerte aber einige Jahre, denn der Server stand in den USA.

Optimierung in der Regulierung ist also nicht nur von Facebook sondern auch von Seiten der Politik zu erwarten. Aber zumindest einer sollte den Anfang machen. Nun könnte man dies natürlich auch als eine Art Diskriminierung von meiner Seite aus gegenüber einer Minderheit sehen oder gar als Einschränkung der Meinungsfreiheit. Ich sehe dies aber vielmehr so dass, konstruktive Kritik solange erträglich ist wie niemand verletzt wird. Diese Grenze hat man auf den Social Networks und im Internet längst überschritten. Und wer jetzt gerade erbost vor dem Rechner oder dem Smartphone sitzen sollte, sollte sich einmal Gedanken über bspw. das Bildungsprogramm der NPD machen, welches praktisch nicht vorhanden ist. Dieser Artikel lässt sich übrigens auch auf jede andere Form von extremistischer politischer Position anwenden. Die NPD und die Pädophilenkreise waren nur ein Beispiel.

Es fehlt also an Konsequenz zu einer eindeutigen Position. Auf Twitter und Google+ kann man sich im ungünstigsten Falle auf die Selbstregulierung durch die Nutzer verlassen, auf Facebook hingegen ist eine Art Lethargie ausgebrochen, und wenn sich das Netz also nicht selbst regulieren kann muss entsprechend nachgeholfen werden.

Wie steht Ihr dazu? Habt Ihr auf Facebook eine ähnliche Entwicklung wahrgenommen? Und wie seht Ihr die Situation in den andern Social Networks? Ich freue mich wie immer auf jegliche Form von Kommentaren und Rückmeldungen.

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