Hypes: Stelle Dir vor es ist Keynote und keiner geht hin
So oder so hat man sich abermals ernüchternd mit den Neuerungen zum iPhone 5 auf der gerade stattgefundenen Keynote von Apple auseinandersetzen müssen. Aber diese Keynote ist nicht die einzige die heute nicht den Erwartungen der Netzgemeinde entsprochen hat: Microsoft hat zu dem Visual Studio 2012 ebenfalls eine Keynote mit großem Tara angekündigt. Allerdings ging diese auch aufgrund der zeitlichen Überschneidung mit der von Apple 12/5 Veranstaltung entsprechend schnell unter.
Aber nun mal eines nach dem anderen: Die Features und Produkte welche Apple auf der heutigen Veranstaltung gezeigt hat, waren im Vorfeld durch diverse Leaks schon im Vorfeld bekannt. Und die momentan angepriesenen Innovationen wie bspw. dass iTunes ab jetzt in der Lage sein wird Spielfilme bspw. von Gerät zu Gerät zu synchronisieren und genau an der Stelle weiterzumachen an der dieser Film gestoppt wurde, ist keine Innovation sondern vielmehr ein Eingeständnis dass man sich von Microsofts Windows 8 bedrängt fühlt, welches zufälligerweise schon seit dem Betastatus über dieses Feature verfügt. Oder auch Tabs in einem bspw. mobilen Browser zu Safari schicken und ihn dort weiterverwenden hört sich auch sehr stark nach Googles Chrome an. Auch die in fast alle Produkte neu eingebaute iSight Camera bringt kein wirkliches Gefühl einer komplett neu entworfenen Idee. Kameras, Bildschirme und Akkus werden eben immer kleiner und leistungsfähiger, dies ist Teil des technischen Fortschritts und technologisch vollkommen normal.
Einzigst interessant könnte die Entwicklung von Siri sein und zwar aus zwei Gründen: Erstens um die Entwicklung von Wolfram Alpha ein bisschen besser verfolgen zu können. Siri basiert ja darauf. Als auch ob die Bedienung jetzt endlich soweit optimiert wurde um sich mit seinem iPhone jetzt auch in der Öffentlichkeit problemlos unterhalten kann. Für Leute ohne Schamgefühl vermutlich ideal. Aber gesellschaftlich auf jeden Fall interessant.
Parallel zu dem heutigen Tage hat sich im übrigen offenbart das Apple mittlerweile 600 Milliarden US-Dollar wert ist. Jetzt stellt sich allerdings nur die Frage: Warum eigentlich? Kritik von allen Seiten bspw. durch neue Meldungen von Foxconn und dem drohenden Identitätsverlust welchen Apple immer noch nach dem Tod von Steve Jobs erlebt, weil Tim Cook einfach kein akkurater Ersatz ist, lassen Apple nach außen hin immer unsicherer wirken. Selbstverständlich wird alles als große Innovation angepriesen, immerhin möchte man ja auch etwas verkaufen. Aber es bleibt immer noch der fade Beigeschmack dass alle anderen Geräte von anderen Herstellern das auch irgendwie und irgendwann schon mal konnten. Im Prinzip erleben wir gerade einen historischen Wendepunkt welchen es schon einmal in der IT-Branche gab. Genauer gesagt in der Softwarespieleindustrie.
Die Electronic Entertainment Expo besser bekannt als E3, hatte eine ähnliche Entwicklung hinter sich. Um das Jahr 2000 herum wurde auf dieser Messe mit großem Interesse alles gehyped was auch nur in irgendeiner Art und Weise neuer, detaillierter und bunter aussah. In den nächsten 3 Jahren jedoch resignierten diese Reaktionen jedoch. Denn es war alles schon einmal irgendwie da. Ob man jetzt bspw. Super Mario in ein Drachenkostüm steckt oder einen Soldaten durch die Gegend springen ließ, machte damals keinen großen Unterschied. Die Ideen waren aus und die einzigen Hoffnungsträger waren zu diesem Zeitpunkt gesellschaftlich noch merkwürdig angesehene Nerds welche sich zu riesigen LAN-Partys in Turnhallen trafen und damit das Multiplayergaming endlich Salonfähig machten. Aber damit ließen sich keine Produkte verkaufen. Die Zielgruppe war viel zu unangepasst. Und dementsprechend hat auch der Besucherstrom zur E3 nachgelassen. Also wurde das Event im Jahre 2007 und 2008 kleiner, und zwar so klein dass man einfach ein komplettes Hotel buchte und ausschließlich internationale Presse einließ. Und dann kam die Wii. Auch wenn es viele nicht akzeptieren möchten, hat die Wii letztlich tatsächlich viele Innovationen losgetreten und mit Casualgaming auch für den betagten Rentner schmackhaft gemacht. Spielemessen werden seither gut besucht und auch die Gamescom hat den richtigen Zeitpunkt gewählt um seit dem Jahr 2009 eine wirtschaftlich etablierte Messe zu werden.
Was ich damit sagen möchte: Es fehlt an genau einer solchen Innovation wie der Wii auf dem IT-Markt. Momentan ist man überspitzt gesagt lediglich damit beschäftigt alte Programme in neue Boxen in Form von Android oder iOS Apps zu stopfen. Innovativ ist bis auf die Augmented Reality Branche eigentlich gar nichts.
Aber Apple braucht sich auch keine Sorgen zu machen. Die Leute werden sich auch in Zukunft mit iPhone und iMacs ausstatten und vielleicht in ein paar Jahren verstehen dass Apple zwar auch annehmbaren Support bietet aber sich aus wirklich hilfreichen Erfindungen nichts macht. Wie eine reine Entertainmentplattform eben.
Und was ist auf der Visual Studio 2012 Keynote passiert? Im wesentlichen nichts mit dem man als Endanwender etwas anfangen kann. Man hat lediglich einen Weg gefunden sowohl für private als auch für professionelle Entwickler im Hinblick auf Windows 8, Windows Phone 8 und HTML5 den Entwicklungszyklus so zu verkürzen, dass in der Regel lediglich noch 50 Prozent der ursprünglichen Entwicklungszeit nötig sind. Das ist wirklich innovativ. Aber scheinbar interessierte es niemanden.
Wie erging es Euch mit der Keynote? Was haltet Ihr von dem iPhone 5? Was findet Ihr gab es noch nicht auf dem Markt? Und vor allen Dingen generell: Leidet die IT-Branche an Innovationslosigkeit?
