Social Web: Die digitale Persönlichkeit – Und wer bist Du?

Wie oft hat man versucht Parallelen zu ziehen zwischen James Camerons Film Avatar und den Profilen und Avataren im Internet. Welche Charakteristika stechen hervor? Wie sehr verändert sich die Persönlichkeit des Protagonisten Jake Sully im Körper seine Na´vi Klons? Und was davon nimmt er wieder mit in die Realität, respektive den Militärstützpunkt auf dem Planeten Pandora?

Die digitale Persönlichkeit / Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Die digitale Persönlichkeit / Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Man braucht gar nicht so weit zu gehen. Wir sind in den Anfängen des Zeitalters des Social Webs und Avatare und Profile haben wir hier zur genüge, unser eigenes Pandora. Gegenübergestellt selbstverständlich die Realität, das normale Leben oder auch umgangssprachlich das Real-Life genannt. Ich habe mir die Frage gestellt, was für Persönlichkeiten sind denn nun eigentlich im Internet? Denn schließlich geht hier alles um Selbstpräsentation. Immer und jederzeit. Intensivst bekommt man eingeprägt doch bitte sorgsam mit dem Umgang mit seinen Daten zu sein, denn im Nachhinein ist dies ja wichtig für die eigene Reputation. Das hat im aktuellsten Falle auch Bettina Wullf erkannt und versucht sich jetzt ihren angeknacksten Ruf wieder “einzuklagen”.

Neben diesen Faktoren welche bei der ersten Konfrontation mit Social Networks mit Sicherheit den einen oder anderen Schweißausbruch und die ersten Tage auch Stress auslösen können, gibt es dann ja auch noch das plötzliche aufkommen unliebsamer Gestalten: bspw. der unerträglich nervende Arbeitskollege, die übereifrige Mutter oder ein politisch vollkommen unkorrekter Freund mit dem man sich auch auf der Straße auch nicht sehen lassen möchte. Und man fragt sich natürlich auch: Warum dringen diese Leute in meine kleine Welt? War auf wer-kennt-wen kein Platz mehr? Die eigene Selbstdarstellung muss also geschützt werden, koste es was es wolle. Und so sieht dies auch von jeder Seite aus: Personen werden auf Facebook verleugnet, auf Twitter beleidigt und in Google+ denunziert. Alles letztlich auf Kosten anderer und zum Schutze der eigenen Person.

Aber dies ist ja auch nur eine Seite der Medaille. Wir alle würden uns wohl nicht in Social Networks aufhalten wenn wir davon ausgehen müssten von jedem angegriffen zu werden. Die meisten haben den Zugang wohl durch Empfehlungen anderer Freunde erhalten und dort auch ihre ersten Fühler nach der kompletten Vernetzung ausgestreckt. Mit allen Vor- und Nachteilen: Gebe ich meinen Freunden viele Informationen, muss ich davon ausgehen auch viele Informationen an Dritte weiterzugeben. Der Umgang mit den eigenen Daten ist also ein zusätzlicher Aspekt welcher die eigene Persönlichkeit im Internet formt.
Zusätzlich kommt es auch auf die Qualität der Daten an. Sind meine Mitteilungen eher belanglos, witzig oder ernst? Mit Witzen, lustigen Bildern etc. hat man unter Umständen mehr Freunde im jeweiligen Netzwerk, aber was sagt das über einen aus? Ernste Themen rufen natürlich auch eher ein beschränktes Interesse hervor und sagen auch nur einen kleinen Bruchteil der tatsächlichen, analogen Persönlichkeit aus.

Aus diesem Grunde habe ich hier die verschiedenen Typen welche gehäuft in Social Networks auftauchen zusammen getragen. Die Anzeige in Prozent drückt aus wie viel eigene Persönlichkeit mit dem jeweiligen Typus aus der realen Welt in die digitale Welt gewöhnlich übertragen wird.

  • 0% Der Verschlossene: Kennt in der Regel die wichtigsten Kontrollmechanismen und Filterfunktionen im Netzwerk. Gibt keinerlei Informationen von sich Preis. Meist sogar so wenige dass ihn die eigenen Freunde nicht erkennen oder finden können.
  • 50% Der Kenner: Bietet einen fröhlichen Mix aus eigenen Erlebnissen, gibt auch nur Daten Preis welche ihn nachträglich nicht zum Verhängnis werden können.
  • 20% Der Guru: Ist auf allen Social Networks vertreten, entsprechend populär und immer gut besucht. Ist dementsprechend entweder selbstständig, arbeitslos oder Social Media Manager. Popularität ist alles. Dementsprechend viele interessante Artikel, Bilder, Witze etc. werden gepostet. Im wesentlichen werden aber allerhöchsten Tendenzen der eigenen Persönlichkeit in Form von Vorlieben offengelegt. Es wird im Prinzip also viel geredet aber nichts gesagt.
  • 100% Der Weltoffene: Von der letzten Darmspiegelung bis zum gepellten Frühstücksei oder gerade verpassten Bussen und Straßenbahnen, ist hier alles geboten und dementsprechend schnell lässt sich auch ableiten wie diese Person wohl im echten Leben ist.
  • 20% Der Professionelle: Nutzt seine Profile zur Selbstvermarktung. Ausschließlich. In Bloggerkreisen und auf Twitter auch als Marketing- und Affliate-Nervtöter bekannt.
  • 0% Der Spieler: Ist komplett introvertiert, würde also sehr gut auch zu dem Verschlossenen passen. Mit dem wichtigen Unterschied dass dieser passionierter Spieler ist und mit den bekannten Benachrichtigungen und Einladungen seine Freunde auch regelmäßig penetrieren muss. Aber es hat auch sein gutes, immerhin gibt es damit das eine oder andere Lebenszeichen.

Natürlich ist nicht jeder eindeutig einem Charakter zuzuweisen. Das möchte ich auch gar nicht, darum habe ich die einzelnen Typen auch überzeichnet und extremer dargestellt als diese in “freier Wildbahn” wohl anzutreffen sind. Was viel wichtiger ist, ist die Erkenntnis dass es mehrere Strategien im Umgang mit den eigenen Daten im Internet zu geben scheint, welche auch mehr oder weniger erfolgreich fruchten. Der Weltoffene bspw. ist entweder einfach nur vollkommen naiv oder er denkt sich die Daten über mich kommen früher oder später ohnehin ans Tageslicht, warum die Welt nicht mit Dingen anreichern die sie nicht braucht? Google+ und Facebook haben sich bspw. auch dazu entschieden in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen explizit Klarnamen zu verwenden. Dies wird von Seiten der Social Networks mehr oder weniger halbherzig umgesetzt, hat aber auch den Vorteil dass der Umgang in den Netzwerken nicht mehr so rau ist wie vor einigen Monaten noch, weil eben der eigenen Name auf dem Spiel steht und nicht irgendein Pseudonym mit mir spricht. Die Sensibilität für die eigene Persönlichkeit und den Charakter anderer Menschen ist also wesentlich höher geworden.

Irgendwo zwischen all den aufgezählten Typen bin ich und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Du. Es kommt halt immer darauf an wie viel man von seiner Persönlichkeit in das eigene Netz lassen will. Und wie schädigend oder positiv sich das auf die eigenen Reputation, also das eigene Ansehen, auswirkt. Generell gilt allerdings eine Grundregel: Wenn Dich im Netz niemand leiden kann, dann bist Du wohl auch in der Realität ein Arschloch.

Wie seht Ihr das, wie persönlich ist das eigene persönliche Social Network oder die Socialblase welche man um sich herum erschaffen hat? Wieviel Persönlichkeit sollte im Netz sein und was gehört absolut gar nicht zur Persönlichkeit im Netz? Fehlt jemand? Fällt Dir ein Charakter ein der unabdingbar für diese Sammlung digitaler Persönlichkeiten ist? Dann schreibe hier in die Kommentare oder Frage Deine Freunde in den Social Networks welcher digitale Charakter am ehesten zu ihnen passen.

Veröffentlicht in: Gesellschaft, Social Web Schlagworte: , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>