LTE – Von Apple gehypt und doch nur wenigen bekannt
In einer gestern erschienenen Pressemitteilung wurden die aktuellen Ergebnisse der Deloitte Mobile Consumer Studie für den deutschen Markt zusammengefasst. Deloitte‘s internationale Studie befasst sich mit dem voraussichtlichen Einfluss mobiler Geräte über die nächsten drei bis fünf Jahre. So heißt es, dass vor allem eine schnelle und zuverlässige Netzqualität wichtig für die stetig wachsende Gruppe der Smartphone- und Tablet-Besitzer ist. In Deutschland ist besonders die Gruppe der 18-34-jährigen kaum mehr ohne Smartphone zu sehen. In Bussen und Bahnen kann man immer mehr Menschen erblicken, die in Smartphones wie dem Samsung Galaxy oder dem iPhone vertieft sind. Manche Besitzer entspannen sich mit populären Spielen wie Angry Birds, andere lesen die Nachrichten, und wieder andere beginnen Ihre Arbeit schon auf der Anreise zum Arbeitsplatz.
Es ist also nicht überraschend, dass 24% der über 2.000 befragten Mobilfunkkunden der 18-34-jährigen in Deloitte’s Studie angaben, wie wichtig ihnen die Geschwindigkeit ihrer Netzwerkverbindung ist. Apple hat dies erkannt und setzt deswegen auf den neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) für sein demnächst erscheinendes iPhone 5. Mit theoretischen Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde ermöglicht 4G schnelleres Internetbrowsing als eine herkömmliche DSL-Verbindung am PC. Könnten Videotelefonie und das Streaming von Musikvideos und Filmen in Bus und Bahn bald zur alltäglichen Begebenheit werden?
Laut Deloitte’s Studie ist dies stark zu bezweifeln, denn LTE ist in Deutschland noch kaum verbreitet. So wird nur die Deutsche Telekom seinen iPhone 5-Nutzern die volle LTE Geschwindigkeit mit einem 1800-MHz-Band anbieten und dies auch nur in dafür ausgestatteten Städten. Wie andere Nachrichtenseiten schon berichteten, wurde die Maximalgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde in keinerlei Praxistests erreicht. Der beste Wert konnte nur in Hannover gemessen werden mit 73 Megabit pro Sekunde (die Hauptstadt erreichte gerade einmal 33 Mbit/s).
LTE solle laut Apple-Chef Cook die „komplizierteste Technologie aller Zeiten“ sein, doch in Deutschland sorgt diese Aussage bisher noch für Schulterzucken. Neben der geringen Verbreitung ist laut Deloitte’s Studie der Begriff LTE selbst 42% der befragten Smartphone- und Tablet-Nutzern komplett unbekannt (in den USA sind es vergleichsweise nur 11%). Es bleibt also abzuwarten, inwiefern die neueste Generation von Smartphones und Tablets dem Verlangen nach einer schnellen Netzgeschwindigkeit überhaupt gerecht werden kann.
Dass Deutschland in einigen technologischen Entwicklungen hinter Ländern wie den USA oder Großbritannien hinterherhinkt ist auch an der Verbreitung von Tablets zu sehen. Diese werden in Deutschland weiterhin nur als eine ergänzende Produktkategorie angesehen. Wie Deloitte in seiner Studie schreibt, besitzen nur 17% der 18 bis 24-jährigen Verbraucher ein Tablet und eine Anschaffung wird von nur 16% geplant. So wird es wohl noch eine Weile dauern, bis Bus- und Bahn-Reisen durch Skype-Telefonate oder Filmvorstellungen auf Smartphone und Tablet aufregender werden.
Über die Autorin: Louise Miller, 27, lebt in London. Sie studierte an der City University und schrieb ihre Master-Arbeit zum Thema “Soziale Medien und Unternehmen”. Augenblicklich arbeitet sie als freiberufliche Journalistin.
