Social Web: Warum eine Petition gegen das Leistungsschutzrecht hier nicht funktioniert
Ich habe schon des Öfteren darauf aufmerksam gemacht, dass man dem Leistungsschutzrecht auch seine positiven Aspekte abgewinnen kann. Zwar wird im Allgemeinen vor allen Dingen bei all den Netzaktivisten und Bloggern das Leistungsschutzrecht als grundlegend negativ dargestellt und nach solchen Ereignissen wie der Spiegel-Affäre auch als grundlegend störender Faktor in Meinungsfreiheit und Pressefreiheit angesehen.
Nun gut, weniger Pressefreiheit sondern mehr Meinungsfreiheit. Der deutsche Blogger ist es ja gewohnt auf gut referenzierte und authentische Quellen zu verweisen um die Autorität seines eigenen Artikels zu untermauern. Man möchte dem Leser gegenüber ja nicht sein Gesicht verlieren oder so wie Felix Leitner einfach seine Leser mit guten Links versorgen. An sich ist all das nicht verwerflich. Immerhin lebt das Internet von Verlinkungen zueinander und auch dieser Blog hier achtet auf eine gute Vernetzung. Die Tatsache, dass das Leistungsschutzrecht also mehr Rückschritt als Fortschritt ist, liegt also auf der Hand. Dementsprechend hat sich mittlerweile auch in illustrer Runde eine Initiative gegen das Leistungsschutzrecht (IGEL) gebildet. Und Blogger gäbe es mittlerweile in Deutschland mit Sicherheit mehr als genug, welche auch diese Petition unterzeichnen würden, die von IGEL auf dem ePetitionsserver der Bundesregierung hinterlegt wurde.
Aber man sollte vielleicht die Motivationen der Leser hinterfragen: Warum sollte es mich als normalen Konsumenten des Internets denn interessieren, ob Blogger, Newsaggregatoren und Suchmaschinen eingeschränkt wären? Publikatoren im Internet hatten es eben schon immer schwer, ob es denn nun bei urheberrechtlichen Fragen wie der Bildsuche für den einen oder anderen Artikel oder einer Website war oder der Zitatfreiheit. Um nur spontane Beispiele zu nennen. Die Netzpolitische Bewegung hat sich ja unter anderem auch deswegen über die letzten Jahre so gut entwickeln können, weil es immer um Kulturgüter ging welche der normale Internetnutzer letztendlich auch selbst noch nutzen konnte und wollte. Aber wie will man dem Leser beibringen, das die Qualität oder eben die jeweiligen Referenzen von Artikeln in Zukunft anders bzw. eventuell minderwertiger werden könnten? Die Argumentationen mit denen vorgegangen wird, erscheinen für einen Außenstehenden ebenfalls komplett an den Haaren herbeigezogen.
Das beste Beispiel in meinen Augen ist die Argumentation mit den Startups. Als konkreter Grund für die Bedrohung von Startups wird die Idee einer neuen Suchmaschine oder eines Newsaggregators angeführt welcher nicht mehr in der Lage sei, sogenannte Snippets ( also Textausrisse) aus den jeweiligen Artikeln darzustellen um dem Nutzer in den Ergebnislisten die Einträge akkurat anzuzeigen. Wenn das Startup dies doch wolle, müssten theoretisch tausende von Verträgen mit Verlagshäusern abgeschlossen werden.
Ok. Gut und schön, wer den Absatz jetzt zwei oder dreimal gelesen hat wird verstanden haben um was es geht, aber was ist denn eigentlich dran an der Geschichte? Die Argumentation geht ja nahezu davon aus, dass jedes Startup einen Newsaggregatoren oder ähnliches herstellt. Angesichts der Entwicklungen von bspw. Google mit Spanner ist diese Vorstellung aber alleine schon von einem angehenden Unternehmer utopisch. Ich halte dieses Argument damit für komplett nichtig.
Doch nicht nur die Argumente müssen stimmen sondern auch die Überzeugung. Stefan Niggemeier oder Mario Sixtus bspw. beten Gebetsmühlenartig auf Twitter zu verschiedensten Zeiten herunter wie wichtig es doch ist zu unterzeichnen, die Problematik hierbei: Ein sehr breitgefächertes Publikum ist da aber das war es auch schon. Selbstverständlich nimmt man auf den einen oder anderen Einfluss beim bloggen aber das reicht hierbei einfach nicht. Gesellschaftliche, politische und sozialkritische Texte sind wichtig, aber eben nicht greifbar.
Ebenso sieht es auch mit den Kollegen von anderen Blogs aus. Warum bspw. sollte sich ein Koch-Blog welcher hauptsächlich aus Kochrezepten und ein bisschen PHP besteht, Interesse am verlinken auf Verlagshäuser bzw. derer Artikel haben? Und die Menge der Blogs aus diversen Interessensgebieten, welche eher auch fernab des Internets funktionieren könnten, ist weitaus größer als die wenigen populären Blogs und Webseiten auf der Gegenseite welche eher eine solche Petition unterzeichnen würden. Woher soll also all das Interesse für die Unterzeichnung einer Petition kommen?
Acta hat man erfolgreich abwehren können, aber auch nur weil wiederum direkt greifbare Kulturgüter in Gefahr waren und dementsprechend mehr Muliplikatoren zur Verfügung standen welche zu den Demonstrationen aufriefen. Jetzt ist der Sachverhalt aber schwerer zu vermitteln. Und hier liegt der Knackpunkt. Ich denke die Comics und Karikaturen, welche im Hinblick auf das Leistungsschutzrecht entstanden sind, waren in diesem Kampf die womöglich effektivsten Werkzeuge, weil sie die Problematik in einen skurrilen aber nachvollziehbaren Zusammenhang gebracht haben. Man denke hierbei an den Taxifahrer welcher den Fahrgast zu einer Diskothek fährt und der Diskothekenbetreiber für das Heranfahren des Fahrgastes vom Taxifahrer Geld möchte.
Alleine schon die Tatsache dass dieser Artikel 879 Wörter enthält stellt doch auch wieder dar, wie schwer greifbar die gesamte Thematik des Leistungsschutzrechtes ist. Wie soll man das alles denn einem durchschnittlichen Internetnutzer verständlich vermitteln?
Darum rufe ich hiermit auch die Leser meines Blogs auf: Unterzeichnet die Petition! Mobilisiert, Aktiviert und erhebt Eure Stimme gegen ein Leistungsschutzrecht.
Aber wenn es eben scheitern sollte, sollte man jetzt schon in die Zukunft blicken und die positiven Aspekte abgewinnen können. Ganz konkret denke ich mir bspw. wird der Zusammenhalt in der deutschsprachigen Blogosphäre massivst gestärkt. Es ist das Jahr 2012 und die deutschsprachigen Blogger hinken den USA immer noch ungefähr 3 Jahre hinterher was die Vernetzung und den Zusammenhalt angeht. Daran sollte sich etwas ändern und wenn es nur durch eine neue Reglementierung des Leistungsschutzrechtes gehen sollte, dann haben wir anfänglich zwar verloren aber langfristig wird das Netz gewinnen.
