Entwicklung: Was ist das Social Web?
Ja es ist an der Zeit sich mit Definitionen herumzuschlagen. Was ist das Social Web? Selbst kleine Chemische Reinigungen rühmen sich auf ihren Internetseiten schon mit der Bezeichnung „Wir sind nun auch im Social Web“. Die in dem genannten Beispiel aufgezeigte Website einer Wäscherei ist laut Definition eine Frechheit. Nicht einmal soziale Dienste oder sonstige Möglichkeiten um mit der Website zu interagieren hat man in die Seite eingebaut. Lediglich ein traditionelles Kontaktformular. Und dieses war schon lange vor den Zeiten des Social Web und Social Media.
Moment mal, Social Web und Social Media sind nicht die gleichen Begrifflichkeiten? Exakt. Also sollten wir uns doch vor der Frage was ist das Social Web zunächst einmal fragen: Was ist eigentlich Social Media?
Social Media ist die allgemeine Bezeichnung für Kulturgüter jedweder Form innerhalb des Internets mit der Möglichkeit diese mit Dritten zu teilen. Also: Bilder, Musik, Filme, Videos, Texte können teil von Social Media sein weil man diese bequem über Like-Buttons oder ähnliches teilen kann. Von daher kann man also auch sagen, das prinzipiell jede Internetseite auch Social Media sein kann, weil die kompletten Texte, Bilder etc. in Form von einem Link geteilt werden können und zwar in den Social Networks.
Erklären was Social Networks sind, brauche ich an dieser Stelle hoffentlich nicht. Jeder weiß wie Twitter, Google+, Facebook und Myspace funktionieren. Es reicht für jeden Nutzer ein Profil und die Möglichkeit in irgendeiner Form Inhalte zu teilen. Diese Inhalte die dort geteilt werden sind letztendlich also Social Media. Aus jenem Grunde gibt es eben auch Social Media Manager. Es geht darum Inhalte zu kontrollieren und den Kommunikationsfluss zu steuern, aber meist eben auch nur auf einer Ebene und in einem Network.
Jetzt sind wir aber immer noch nicht über den Begriff Social Web gestolpert. Das Social Web ist der Überbegriff für die multiple Interaktion mit verschiedenen Netzwerken. Als solches ist dies im Moment nur eingeschränkt möglich. Immer noch braucht man jeweils einen Zugang zu den einzelnen Social Networks und immer noch ist man nicht in der Lage von einem zentralen Punkt aus die Interaktionen auf den verschiedenen Social Networks nach Belieben zu steuern. Dies funktioniert nur indirekt. Als konkretes Beispiel könnt Ihr diesen Artikel hier nehmen. Neben dem +1, Like und Twitter Button geben wir Euch die Möglichkeit mit 3 Klicks diesen Artikel zu verbreiten bzw. Eure Anerkennung auszudrücken. Desweiteren haben wir noch die Möglichkeit gegeben die jeweiligen Artikel zu kommentieren. So gesehen besteht der Artikel also aus vier Social Networks bzw. Communities: Facebook, Twitter, Google+ und dem Boxedpages Blog. So wie auf unzähligen anderen Websites und Blogs. Und mit ein paar Klicks ist es möglich ohne die Seite zu verlassen, den Fluss auf den drei großen, sozialen Netzwerken zu steuern, für einen kleinen Moment.
Wie Ihr auch seht ist ein Blog oder eine Website damit auch viel „sozialer“ als ein Social Network. Dinge funktionieren übergreifend und nicht determiniert, also vorhergesehen wie bspw. auf Facebook. Du hast die Möglichkeit dort Inhalte zu teilen, aber nur eingeschränkt an die Twitter Community und schon gar nicht an Google+.
Social Networks können also gar nicht das Social Web sein, denn es fehlt die Kommunikation unter den einzelnen Communities. Es macht sich momentan eine Art Evolution der Fremdenfeindlichkeit in den Social Networks breit. Nur mit dem Unterschied das der Fremde diesmal nicht klein, dick, hässlich oder sonst einen Makel trägt, sondern er funktioniert einfach anders. Da gibt es Twitter vs. Facebook (“Wer Facebook ehrt, ist Twitter nicht wert” @seelenfarbig), Facebook vs. Twitter (Gruppe: “Twitter ist schrott und Facebook rockt”), Facebook vs. Google+ (Gruppe: “Google+ ist Scheiße”) usw. usf. In etlichen Variationen wird den anderen Networks aggressiv begegnet und natürlich werden auch die Neuankömmlinge aus den “Erz-Networks” entsprechend schroff empfangen. Und dem ganzen eine Krone aufgesetzt hat die Google+ Website “Das ist ein Plus” von Phillip Steuer. Zitat: “…Denn die Diskussionen auf Google+ verlaufen zum jetzigen Stand auf einem hohen Niveau, es gibt weniger Trolle...”. Was vermeintlich als Einladung gemeint war, grenzt unterbewusst aus und spiegelt nebenbei die Stimmung, die in den jeweiligen Social Networks gegen die Klassenfeinde gemacht wird, wieder.
Dabei befindet sich das Web gerade im Umbruch, viele Nutzer sind auf Wanderschaft zwischen den Social Networks und versuchen “ihren” Platz in der Welt des Internets zu finden. Es gibt momentan aber keinen solchen Platz, Grund dafür ist eben die Ignoranz des Social Webs.
Kundenbindung ist eine schöne Sache, aber sie hemmt immens den intermedialen Fluss und die Entwicklung des Internets. Vor allen Dingen wirkt das auch etwas verstörend wenn sich Social Networks nur dadurch positionieren können indem letztlich ausgesagt wird: “Wir sind besser als alle anderen.”. Das Social Web ist also eine Plattform auf der es möglich sein wird Inhalte jederzeit mit jedem zu teilen. Egal in welchem Social Network er sich eher aufhält.
Ich denke auch aus dieser Interkommunikation ergeben sich letztlich auch neue Geschäftsfelder, sowohl für die Social Networks als auch für deren Werbepartner. Von daher braucht niemand Angst vor dem Social Web zu haben. Das Internet rückt eben doch immer ein wenig mehr zusammen, weil Blogs und Webseiten die einzigen sind die diesen Trend frühzeitig erkannt haben, werden diese auch nicht am Web 3.0 untergehen. Denn das Prinzip ändert sich nicht: Social Media sind geteilte Inhalte in Social Networks im Social Web. Und das gilt auch für die Wäscherei vom Anfang des Artikels.
