Facebook durchbricht die Schallmauer und wird Facebook Premium

Heute morgen war es geschafft: Mark Zuckerberg verkündete voller Stolz mehr als eine Milliarde aktive Nutzer auf Facebook. Außerdem wurden seit dem Februar 2009 mehr als 220 Milliarden Photos hochgeladen, mehr als 140 Milliarden Beziehungen zwischen Freunden hergestellt und 1,13 Billionen Dinge geliked. Das alles geht aus dem Factsheet hervor welches im Zuge der Veröffentlichung erstellt wurde. Aber heute wurde eine andere Kleinigkeit offengelegt und gleichermaßen wieder einmal schrittweise ausgerollt: Sponsored Posts für Privatnutzer.

Facebook: Promoted Posts

Facebook: Promoted Posts - Man wirbt mit 60 % mehr Sichtbarkeit

Ein wenig abwegig wie die City Maut welche derzeit wieder diskutiert wird, entscheidet man sich nach langem hin und her offenbar doch dazu eigene Posts zu promoten indem diese mit einem derzeitigen Betrag von ungefähr 7 Dollar bezahlt werden. Der Effekt bei einem Promoted Post ist, dass dieser länger für andere Nutzer in der Wall wahrgenommen wird, weil der Beitrag künstlich hochgehalten wird. Und die Nutzer die in dieser Zeit etwas gepostet haben?
Werden in dieser Zeit nicht mehr allen Freunden angezeigt, sondern nur einer von Facebook mittels Edgerank ermittelten Auswahl. Nachdem Facebook mit dem “5-Klick-und-weg”-Assistenten schon knapp 30 % der Freunde weghauen kann, hat man sich jetzt dazu entschieden tatsächlich ein zahlungskräftiges Publikum anzusprechen, welches für Aufmerksamkeit bezahlt. Und wer nicht bezahlen kann? Der darf sich mit dem von Facebooks Edgerank vorgegeben Freundeskreis abgeben.

Ok, in der Praxis kann man mit einer einzigen Statusmitteilung ohnehin nicht sämtliche Freunde erreichen. Alleine schon aufgrund von Kausalitäten wie Urlaub, Umzug oder sonstigen Dingen. Gehen wir also davon aus dass ohne Edgerank jeder Nutzer knapp 80 % der Beiträge der Freunde wahrnehmen kann, mit Edgerank sind es nur noch rund 40 %. Zudem kommen noch diverse Seiten und Werbung welche ebenfalls Platz in der Wall wegnehmen und schon ist man nur noch bei 30 %. Sprich mit jeder Statusmeldung die man abgibt erreicht man ohnehin nur 30 % der Freunde, aufgrund der zensierenden Wirkung des Edgeranks. Mit den erwähnten 7 Dollar sind diese Effekte natürlich aufgehoben. Es ist auch nicht mehr möglich mit 1-2 Klicks alle Posts sehen zu können. Nein, mittlerweile muss man dies explizit pro Nutzer erlauben und entsprechend einstellen. Bei 200 – 300 Freunden kommt da aber auch einiges an Klickarbeit zusammen. Wer also wirklich alles von allen sehen möchte, nimmt sich dazu am besten einen Tag frei um den Komfort vergangener Tage wieder erleben zu können.

Jetzt ist da aber natürlich die Frage, was will man überhaupt noch in einem Netzwerk in dem man sich darüber bewusst ist dass im günstigsten Falle eine Statusmeldung von vielleicht einem Drittel aller Nutzer wahrgenommen wird? Am Erfolg kann es letztlich nicht mangeln. LinkedIn und Xing sind erfolgreiche Netze mit Premium Funktionalitäten, hier geht Nachrichten schreiben und Meldungen im Netzwerk verfolgen nur vollständig nach entsprechender Bezahlung. Aber hier befinden wir uns im Business Segment. Facebook bedient auf eine gewisse Art und Weise zwar alle Segmente, aber im Business konnte sich Facebook eben noch nicht etablieren. Die Recruiting Kampagnen großer Unternehmen wurden auf den Fanpages größtenteils abgesägt und B2B-Verbindungen funktionieren auf Facebook praktisch gar nicht.

Warum wird Facebook jetzt also mit Premium Funktionalitäten wie den Sponsored Postings oder Gifts ausgestattet? Die Antwort ist wieder einmal recht einfach: Monetarisierung! Nachdem man sich jetzt langsam an der Börse fängt, ist es auch an der Zeit die Nutzer zu selektieren. Mit der Milliarde hat man ja erstmal genug und aufgrund des großen Hypes um Micropayment, also Kleinstbeträge die bspw. für Apps auf dem Smartphone bezahlt werden, hofft man auch hier die Nutzer zum zahlen von kleinen Beträgen zu bekommen. Wenn man sich die Musikstreaming Landschaft anschaut scheint sich Micropayment hier auch nicht ganz so wie erhofft durchzusetzen. Nur jeder 10. bezahlt auch für Inhalte aus dem Netz. Und vielleicht hat man Facebook auch von dieser Rechnung erzählt, nehmen wir also einmal an jeder zehnte Nutzer zahlt auch 10 Euro im Durchschnitt pro Monat, hat man dennoch Umsätze von einer Milliarde Euro im Monat. Und wenn interessiert dies noch wer dann nicht bezahlt? Aus Managersicht sind dies doch nur Parasiten, welche Ressourcen wie Speicherplatz, Prozessorleistung und vor allen Dingen auch administrativen Aufwand bedeuten und letztlich ja doch auf keine Werbung klicken.

Von daher ist die Entscheidung für Sponsored Postings aus Unternehmenssicht klar nachvollziehbar, aus Nutzersicht sollte man sich allerdings überlegen ob man nicht mit den Füßen abstimmt und von dannen zieht. Aber wie immer gibt es einen Lichtblick: Die Nachrichtensysteme bei Facebook werden aber vorerst ohne Werbung oder ähnliche Zensurmaßnahmen wie dem Edgerank auskommen, dort ist mittlerweile einfach kein Platz mehr dafür. Aber Facebook Premium ist mit dem Einführen der Sponsored Postings geboren worden. Schade eigentlich. Für alle anderen gibt es eben nur Facebook Lite, mit durch den Edgerank verzerrter Wahrnehmung.

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