Social Web: Gescheitert aber glücklich! – Keine Angst vorm Leistungsschutzrecht

Nachdem im Grunde heute Nacht die letzte Möglichkeit abgesägt wurde / wird, um das Leistungsschutzrecht im deutschsprachigen Internet abzuwenden, zeigte sich mit dem Scheitern der Petition auch die aufkeimende Paranoia. Das Internet bricht zusammen. Presseverlage haben das Social Web nicht verstanden. Und die Piraten haben doch nicht den erhofften Zusammenhalt.

Gescheitert: Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht

Gescheitert: Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht

Aber tatsächlich sieht es ganz anders aus. Die Situation wird nicht schlimmer. Aber man hat sie sich schlimmer gestaltet als sie sein könnte. Während ich unzählige Male darauf hinwies, dass das Leistungsschutzrecht eine der größten Chancen ist die sich für die deutschsprachige Blogosphäre in naher Zukunft bieten wird, war man inständig mit jammern beschäftigt. Insbesondere jetzt in den letzten Tagen mit Ende der Petition, zeigten nahezu stündliche Tweets von Sixtus, Lauer und Co, wer sich denn tatsächlich am meisten davon betroffen und bedroht fühlt. Der Einzige der sich im Nachhinein nicht wirklich darum kümmern muss, ist Sascha Lobo durch seine Kolumne in Spiegel Online.
Aber Herr Lobo, Sixtus, Lauer und Co. haben auch recht: Rein netzpolitisch und rechtlich wird man sich eben umstellen müssen, sowohl also Blogger, als auch als normaler Seitenbetreiber. Allerdings ist man gerade wieder dabei sich gegenseitig mit Dreck zu bewerfen. Unkonstruktiv und anarchisch wird also dem Leistungsschutzrecht entgegen geblickt. Daran ändert auch die vielleicht etwas unglücklich gewählte Formulierung zur Petition nichts. Und ein Scheitern war im Vorfeld schon absehbar.

Ich habe auch meinen Autoren und den Gastautoren dieses Blogs vermitteln müssen, dass es in Zukunft nicht mehr ohne weiteres möglich sein wird, auf Erzeugnisse von Presseverlagen zu verlinken. Inspiration holen kann man sich ja, aber eben auch keinen direkten Nutzen mehr ziehen als reine Quellenangabe innerhalb der Artikel. Und das war es auch schon. Ja tatsächlich. So viel Aufwand nur um die Reputation der Blogs und Websites zu erhalten. Und was ist der Nebeneffekt aus so einer Reaktion? Die Glorifizierung der Presseverlage. Was die Unterstützer der Petition nämlich tatsächlich mit ihrer Unterzeichnung aussagen ist: Wir können gar nicht ohne verifizierte und anerkannte Quellen!

Und dies wiederum gibt der Pro-Leistungsschutzrechtseite die Bestätigung. Alle die gegen das Leistungsschutzrecht sind, sind im gleichen Atemzug Anhänger der parasitären “Alles kostenlos”-Kultur. Soviel zum Verständnis der Verlage und Internetnichtversteher. Hier ist man eben nicht in der Lage einen Zweizeiler in die robots.txt einzutragen, um Google und anderen Aggregatoren den Zugang zu verwehren. Ein zugegebenermaßen auch sehr engstirniges Zugeständnis an die altbackenen, urheberrechtlichen Formulierungen der analogen Welt. Die digitale Gesellschaft wird momentan rechtlich noch sehr restriktiv und auf der anderen Seite schwammig behandelt. So ist es auch beim Leistungsschutzrecht: Es wird auf die ersten Urteile gewartet, welche man als Referenz für sein eigenes Verhalten als Siteadministrator und Blogredakteur anwenden kann.

Für die Leser des Boxedpages Blogs bedeutet dies letztlich folgendes: Es wird keinerlei Einschränkungen in der Qualität unserer Artikel geben. Seit April 2012 linken wir bevorzugt auf Blogs oder Webseiten welche nicht vom Leistungsschutzrecht betroffen sein werden, dadurch dass es eben Blogs sind. Und der nette Nebeneffekt: Es kommen vielschichtige und weitaus individuellere Stimmen zusammen als bspw. bei einem komplett schwarzen Blatt wie der BILD oder dem Spiegel. Das Netz wächst also tatsächlich stärker zusammen.

Es gibt keinen Grund sich wegen dem Leistungsschutzrecht in ein Loch einzugraben und alles um einen herum zu verdammen. Ich denke niemand wird einen merklichen Verlust an Qualität oder Besuchern erleben. Vor allen Dingen, denke ich gibt es dadurch auch eine neue Renaissance der Blogverzeichnisse oder ähnlichen Diensten. Die ist längst überfällig, wenn man sich einfach mal die Blogosphäre im englischsprachigen Ausland ansieht. Mit dem Unterschied dass es dort von vorne herein nur Gewinner gab.

Veröffentlicht in: Entwicklung, Kultur, Social Web Schlagworte: , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>