Facebooks Zensur umgehen: Den Edgerank überlisten

Es ist soweit: Erste Fanpages machen dicht, Nutzer beschweren sich über die Trägheit von Facebooks Wall und selbst t3n spricht von der Gefahr interaktionsloser Fanpages und Websites. Ganz nebenbei wurde auch der Nutzer in seiner eigenen Reichweite eingeschränkt. Und im Gegensatz zu Felix Baumgartners Sprung vom Rande des Weltalls, kratzt Facebook an einem ganz anderen Ende des Universums, nämlich seines eigenen.

Facebook: Den Edgerank hacken / Quelle: Marko Greitschus  / pixelio.de

Facebook: Den Edgerank hacken / Quelle: Marko Greitschus / pixelio.de

Das Prinzip des Edgeranks
Strukturell auf dem Weg zur Selbstvernichtung versucht man Geld aus Dingen zu schlagen die in anderen Social Networks selbstverständlich und kostenfrei sind: Man zensiert das Umfeld der Nutzer und lässt Nutzer zensieren bzw. ausblenden. Bei jedem. Alles vollautomatisch und auf Basis des Edgeranks. Einem Algorithmus der letztlich berechnet wie wichtig Deine Umwelt ist und wie unwichtig Du in deren Welt bist.

Im Grunde funktioniert der Edgerank ganz einfach: Je öfter Du Freunde, Fanpages oder geteilte Inhalte anklickst und likest, umso öfter wirst Du diese Dinge sehen. Wenn Du nicht damit interagierst, verschwinden diese einfach so. Ob das jetzt Freunde oder Fanpages sind, macht keinen Unterschied: Ab diesem Zeitpunkt bist Du uninteressant.

So ist das also ab jetzt: Sehen und gesehen werden, liken und geliked werden, dieses Problem haben nicht nur Fanpages sondern auch die Nutzer selbst. Mit dem wesentlichen Unterschied dass ein Fanpagebetreiber im Nachhinein immer nachvollziehen kann, wie viele Leute er erreicht hat. Wir sind mittlerweile bei einem regulären Post auf Facebook bei einer Reichweite von ungefähr 24%. Bei den 123 Likes die wir aktuell haben, sind das rund 30 Nutzer die den Post auch tatsächlich in Ihrer Wall lesen können. Allen anderen wird der Post vorenthalten. Zum Vergleich: Noch vor 6 Monaten hatte man eine Reichweite von ca. 80%, sowohl als Nutzer als auch mit einer Fanpage.

Wer nicht interagiert, der wird ignoriert
Und so ist das eben auch mit dem Nutzer: Er postet und nur ein kleiner Bruchteil der Freunde bekommt die Meldung zu sehen. Laut offiziellen Angaben sind dies derzeit rund 27%. Die Reichweite hat der Edgerank errechnet. Wenn Du nicht auf jemanden klickst oder mit jemandem schreibst, verschwindet er über kurz oder lang hinter dem Deckmantel des Edgeranks. Denn der Edgerank hält ihn für uninteressant für Dich.
Der offizielle Weg um den Edgerank zu überlisten und die Einschränkungen für eine kurze Zeit zu umgehen, ist das zahlen von umgerechnet 5 Euro in Form eines Sponsored Postings und die Statusmeldung wird wie vor einem Jahr auch bei jedem angezeigt, der es theoretisch sehen kann. Im Endeffekt also ein Facebook Premium bei dem jeder zahlen darf der gesehen werden möchte. Alle anderen Meldungen gehen ohnehin unbemerkt unter, “Dank” des Edgeranks.

Aber es gibt eine Vielzahl von Strategien um den Edgerank zu überlisten: Mit dem Wissen dass, der Edgerank grundlegend nur auf Interaktionen reagiert und auf Aufrufe von Profilseiten und Fanpages kann man schon viel anfangen. Zum Beispiel:

  • Die Offensive
    Like was das Zeug hält, kommentiere was Dir gefällt und vor allen Dingen schreibe mit den Leuten von denen Du schon lange nichts mehr gehört hast. Innerhalb weniger Stunden werden sich die Einträge auf der Wall entsprechend ändern und dann erst merkst Du: Der Edgerank steuert nicht Dich, sondern Du steuerst den Edgerank.
  • Die Defensive
    Mache einfach gar nichts. Aber bedenke: Keine Interaktion bedeutet auch keine Inhalte. Wenn sich Deine Wall eines Tages also quasi “totgelaufen” hat, weil der Edgerank nichts mehr zu futtern bekommen hat, sehen Dich auch automatisch weniger Leute. Und im Grunde nutzt jeder Facebook hauptsächlich als Kommunikationsmittel und der Punkt fiele also auch weg. Keine Nachrichten mehr in Zukunft. Wozu also noch Facebook?
  • Die Radikale
    Setze Dir ein festes Austrittsdatum und lasse es Deine Freunde wissen, damit sie Dir ggf. in dein zukünftiges Netzwerk folgen können. Den Edgerank und damit sein Netzwerk zu pflegen kostet viel Zeit, viel besser ist da doch ein Social Network das wirklich nur Netzwerk ist, ohne Dich einzuschränken. Google+ oder Twitter zum Beispiel sind eine gute Alternative und je nachdem was sich die nächsten Wochen und Monate bei MySpace tut, könnte das sogar Die Alternative zu Facebook werden.
  • Die Relative
    Der Mittelweg um dem Edgerank auf lange Frist zu entgehen: Sieh Dich um! Halte Ausschau nach den Alternativen zu Facebook und suche Dir deinen persönlichen Favoriten unter den anderen Social Networks aus und mache es Dir dort gemütlich. Nebenher kann man ja immer noch mit seinen Leuten in Facebook Kontakt halten. Und keine Angst: Du bist nicht der Einzige der momentan im Social Web nach einem neuen Platz sucht. Es gibt viele Grenzgänger derzeit und alle sind auf der Suche nach einem neuen Platz.

Natürlich ist das ungewohnt, man muss vieles neu erlernen und die Funktionalitäten der einzelnen Social Networks erst einmal kennen lernen, aber dann stellt man fest, dass es dort ebenso gut ist wie auf Facebook. Vielen anderen wird es ebenso gehen. Außer man stellt im Management von Facebook fest, dass man doch anders agieren muss um sich mit seinen Nutzern noch gut zu stellen. Ich halte dies jedoch für recht unwahrscheinlich. Bei dem letzten großen Update der Mobile App von Facebook hat man auch die letzte Möglichkeit genommen, den Edgerank noch einigermaßen nach “Hauptmeldungen” und “neusten Meldungen” seine Wall nach seinen Bedürfnissen anzupassen. Dies geht selbstverständlich wieder zu Lasten der Übersicht und zu Gunsten des Edgerank.
Dies ist nur eine weitere Strategie Facebooks in seinen Handlungen mit dem Edgerank: Unübersichtlichkeit und Desinformation.

Und hier bist auch wieder Du gefragt! Informiere Deine Freunde und Teile diesen Artikel. Es ist durchaus wichtig, dass andere Nutzer und allen voran auch Deine Freunde die Umstände verstehen in denen sich sämtliche Facebook Nutzer derzeit befinden. Lasse dich nicht von einem Algorithmus abhängig machen, der angeblich besser weiß als Du was Du brauchst. Nur Du weißt was wichtig für Dich ist. Darum lautet die Devise: Nicht steuern lassen, sondern das Steuer übernehmen.

Update 23.10.2012: Warum auch Listen nicht vor Zensur schützen

Veröffentlicht in: Entwicklung, Gesellschaft, Social Web Schlagworte: , , ,

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