Social Web: Facebooks List mit den Listen

Neben meinen Strategien den Edgerank zu überlisten, bietet auch Facebook den “offiziellen” Weg an die eigene Reichweite für seine Nutzer zu gewährleisten und auch den Nutzern selbst im Sinne der Freundes- bzw. Interessenlisten. Mit den Listen sei es möglich doch noch alle Aktualisierungen aller Fanpages und Freunde zu sehen. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit.

Facebooks Listen -  Quelle: Kersten Schröder  / pixelio.de

Facebooks Listen - Quelle: Kersten Schröder / pixelio.de

Aber gehen wir doch zunächst mal auf die Geschichte der Listen ein: Vor einigen Jahren entschloss man sich, noch lange vor den Gruppen und Events, dazu bei Facebook Listen einzuführen. Die Gründe dafür sind plausibel und nachvollziehbar: Bessere Übersicht und leichterer Umgang mit Berechtigungen (bspw. zum Sehen von Beiträgen) etc.
Nachdem die Akzeptanz bei den Nutzern scheinbar gegen Null tendierte, hat man sich dazu entschieden automatisierte Listen auszurollen. Wer mit einigen Freunden eine Schule besuchte, hatte zu einer recht hohen Wahrscheinlichkeit dann eben auch eine Liste mit dem Namen der Schule vor sich liegen, in der die jeweiligen Freunde alternativ zur konventionellen Wall aufgerufen werden konnten.

Von jetzt an soll aber alles getrennt vorliegen um auch alles zu sehen: Freunde zu Freunden, Fanpages zu Fanpages. Dank einer Problematik welche Facebook selbst erschaffen hat: Den Edgerank. Nachdem man still und heimlich im Laufe der vergangenen Monate die Möglichkeiten abgeschaffen hat, wirklich “Alle Neuigkeiten” in der Wall zu sehen, versucht man dem Nutzern einzureden, mit den Listen auch tatsächlich “Alle Neuigkeiten” zu sehen. Aber dem ist nicht so.

Ohne lange zu überlegen wird auffallen, dass die kulturelle Vielfalt welche sich durch die Wall als Potpourri der verschiedenste Einflüsse zu einem der Hauptgründe gemausert hat, um Facebook überhaupt regelmäßig zu besuchen, durch den massiv hochgepushten Edgerank zu einem unbeliebten Fleck entwickelt hat. Man sieht was, aber im Hinterkopf tauchen da immer diese Fragen auf: “Warum ist die Pinnwand so langsam?”, “4 Neue Meldungen auf der Wall in der letzten Stunde, war das wirklich alles?”.

Jetzt wird aber alles gesplittet: Dazu hat man jetzt 2 Optionen. Entweder man verfährt weiter, wie bisher und konsumiert die Wall als Ganzes vom Edgerank beschnittenes Werk. Oder man legt eben die besagten Listen an. Mit dem Nebeneffekt Facebook noch mehr eigene Daten zu überlassen. Und nebenbei noch die Netzneutralität schädigt. Aber wie funktioniert das?

Listen sind bzw. waren schon immer nützlich um eben bspw. gewisse Freundeskreise etwas stärker zu beschneiden oder um ihnen mehr Rechte einzuräumen. Einfach um etwas Ordnung in sein digitales Facebook-Leben zu bekommen. Allerdings fehlte bis dorthin der jeweilige Kontext zu den Listen für Facebook. Jetzt wird künstlich, wie beim Edgerank, ein Bedarf geschaffen der vorher nicht da war. Themenbasierte Listen deren Basis die Gewohnheiten der Nutzer sind.
Zwar konnte Zuckerbergs Netzwerk aufgrund von Klicks, Konversationen etc. in etwa abwägen mit wem man den intensivsten Kontakt hat und wer bspw. zum engsten Freundeskreis gehört. Jedoch kann sich selbst der beste Algorithmus niemals sicher sein. Durch die neue Unsicherheit der Nutzer, nicht mehr zu wissen ob man tatsächlich alles von seinen Freunden sieht, werden diese eher gewillt sein, mit den Listen anzugeben welche Freunde in deren Leben wirklich eine wichtige Rolle spielen. Die Qualität der Daten bestimmt also der Nutzer.

Und wozu das Ganze? Big Data und Werbung. Personalisierte Werbeanzeigen funktionieren nur, wenn man sich unterbewusst auch gut mit der Person in der Werbung versteht. Somit wird durch die von Nutzern erstellten Listen es Facebook einfacher gemacht zu ermitteln, welche Personen bei welcher Werbung für den Nutzer am wichtigsten sind.
Die Listen welche also vom Nutzer erstellt werden, machen es Facebook einfacher Daten zu Marketingzwecken zu verkaufen. Und der positive Aspekt für den Nutzer? Ist praktisch nicht vorhanden.

Wie gesagt, könnten theoretisch mit einer vollgepackten Liste voller Freunde auch alle Aktualisierungen und Statusmeldungen eingesehen werden. Ich habe dies jedoch ausprobiert und musste dabei feststellen, das doch nicht alle Meldungen angezeigt werden, bzw. die Aktualisierungsintervalle unheimlich verzerrt erscheinen. Ein dem Edgerank ähnlicher Algorithmus wird also auch in den Listen tätig sein.
Abgesehen von der Unhandlichkeit der Listen, durch ein ständiges Wechseln zwischen den selbigen, hat hierbei eigentlich niemand gewonnen. Außer natürlich Facebook.

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