Zeitreisen und der Edgerank-Schalter: Was Facebook wirklich braucht

Während man auf t3n endlich der Erkenntnis näher gerückt ist, dass der Edgerank zwar ein Tool von Seiten Facebooks ist, um vermeintlich die Qualität des Newsfeeds zu optimieren aber auf der anderen Seite auch die Reichweite von Nutzern und Fanpages einschränkt, habe ich mich hier im Blog auf die wesentlichen Funktionen konzentriert die Facebook fehlen. Und bin dabei auf folgende Funktionen gestoßen, welche auch in der Umsetzung realistisch wären.

Die Zeitmaschine

Paradebeispiel für Zeitreisen auf Facebook: Die Fanpage der Deutschen Bank

Paradebeispiel für Zeitreisen auf Facebook: Die Fanpage der Deutschen Bank

Als ich vor einigen Monaten noch schrieb, dass Facebook keine Zeitreisen erlaube, habe ich mir natürlich dennoch im Hintergrund Gedanken darüber gemacht, ob sich etwas gleichwertiges überhaupt mit Facebook umsetzen ließe. Und die Antwort ist recht simpel: Ja.
Im derzeit größten Social Network wurde so oder so, alles über die Facebook-Mitglieder und den Fanpages gespeichert. Als Paradebeispiel kann hier die Chronik jedes Einzelnen herrühren aber auch Fanpages wie in dem Bild zu sehen. Auch hier ist es für Freunde und auch einen selbst möglich durch die verschiedenen Lebensjahre zu surfen. Sofern diese Informationen selbstverständlich einsehbar sind.
Aber was wäre, wenn man den Newsfeed mittels Sidebar zur Zeitmaschine umfunktionieren könnte? Die Informationen und Daten sind ja da. Gegebenenfalls könnte man auch mittels externer Daten bspw. von Wolfram oder der Wikipedia auch noch historische Daten zusätzlich verwenden um recht lückenhafte Chroniken zu befüllen und auch die Atmosphäre einer Zeitreise damit besser vermitteln. Außerdem würde damit der Mangel den bspw. die Online-Enzyklopädie Wikipedia derzeit hat ausgeglichen. Aufgrund der fehlenden sozialen Verknüpfungen wird die Wikipedia abseits von Facebook und anderen Social Networks nämlich bei dem normalen User außer Acht gelassen. Die Faszination der Enzyklopädien und der allgemeine Wissensdurst haben nämlich darüber hinaus im Laufe der Jahre nachgelassen. Aber so ein Zeitreise-Feature würde auch die wirklich informativen Ecken des Internets wieder hervorholen.
Und auch für Unternehmen wäre ein solches Feature nicht uninteressant. Werbung kann ja immer eingeblendet werden. Jedoch zeigt auch die gesellschaftliche Entwicklung dass der Hang zu Retro-Produkten teilweise immer offensichtlicher wird. Wenn also der Kontext zu einem Hersteller von Lava-Lampen korreliert mit der nostalgischen Reise eines Nutzers in die 1970er, ist auch tatsächlich ein Mehrwert für den Nutzer geschaffen und die Unternehmung hat ein in dieser Situation besser angebotenes Produkt.
Und wie könnte man dies erreichen? Bspw. links oder rechts der Wall. Hier wäre genug Platz für einen dynamischen Reiter wie bei der Chronik. Nur das in diesem Moment eben alle Meldungen der Vergangenheit mit auftauchen können, bspw. mit einer Art Schieberegler oder dem bekannten Werkzeug mit den Jahreszahlen bei der Chronik. Dies ist technisch nicht viel Aufwand und lässt auch marketingtechnisch noch mehr Innovationen und Dimensionen zu.

Selbstverständlich ginge es mit solch einer Zeitreise-Funktion immer in die Vergangenheit, aber angereichert mit den Erkenntnissen des Data-Minings und Big Data ließen sich mit Sicherheit auch statistische Wahrscheinlichkeiten für bspw. eine Heirat, einen Kauf eines Produktes oder ähnliches in der Zukunft der Chronik anlegen. Man hätte dann also eine Art Effekt wie bei einem Horoskop, nur mit einer höheren Trefferquote aufgrund der statistischen Berechnungen und deren Wahrscheinlichkeit.

Der Edgerank-Schalter
Ja. Es gibt entgegen meiner Erwartungen tatsächlich schon Gruppen auf Facebook die offen das abschalten des Edgeranks fordern. Mir geht es nicht darum den Edgerank komplett abzuschalten, mir geht es nur um eine gewisse Fairness den Nutzer gegenüber. Ich sehe den Edgerank vielmehr als Komfortfunktion für eine große Zielgruppe. Facebook übrigens auch. Allerdings stört mich der Zwang zu dem Edgerank. Wie ich schon berichtete lässt sich auf Google+ ja gewissermaßen frei entscheiden, wie viel Einfluss Google auf den Newsfeed und die Kreise des Anwenders haben soll. Und ich habe dort auch schon das andere extrem gesehen. Wenn man die Regler dort voll aufdreht, hat man im Extremfall rund 100 Meldungen pro Stunde und ebenso viele Mails bei Google Mail. Dieses Szenario würde auch bei Facebook auftreten. Wenn man zumindest den Pressevertretern des sozialen Netzwerks glauben schenken soll.
Denn wenn tatsächlich so viele Meldungen zeitgleich auf den Nutzer einprasseln würden wie in Facebooks Horrorvisionen dargestellt, würde sich gleichermaßen auch für den Nutzer die Option des unliken von Fanpages einstellen. Ganz einfach weil nicht die Informationen beim Nutzer ankommen, die ursprünglich mit dem Liken oder Abonnieren gefordert wurden. Das Targeting für Unternehmen und Werbeanzeigen würde im Umkehrschluss einfacher gemacht werden, weil nicht mehr kompliziert heraus gerechnet werden muss, ob ein Unternehmen, ein Freund oder eine Fanpage noch interessant oder nicht interessant für den Nutzer sind. Gleichermaßen würde sich ein weiterer positiver Nebeneffekt abzeichnen: Die Medienkompetenz der User würde sich erhöhen. Durch ein bewusstes Ein und Ausschalten von Funktionen bzw. dem abonnieren und entabonnieren von Neuigkeiten.
Aber wie gesagt: Man braucht nicht den Edgerank bei Facebook komplett herauszunehmen. Ein einfacher Schalter würde ja schon reichen. Es geht ja um die Nutzerfreiheit um sich nicht von Facebook eine Meinung aufschwatzen zu lassen. Und Werbung lässt sich auch als Sponsored Post oder Story mehrere Male in einer Wall einblenden. Darum bräuchte man sich also auch von wirtschaftlicher Seite vor einem Schalter für den Edgerank nicht zu fürchten.

Außerdem braucht Facebook: Mehr Transparenz!
Ich weiß nicht ob es der Zufall so will, aber im Moment werden gerade die Kurzmeldungen deaktiviert. Man sieht also nicht mehr was sich in seinem unmittelbaren Freundeskreis tut. Eventuell bin ich auch nur einer von wenigen Testfällen weltweit bei denen dies gerade getestet wird, aber momentan bin ich nicht in der Lage zu sehen wie aktiv mein Freundeskreis ist. Außerdem zeigt die Pinnwand momentan sehr merkwürdige Verhaltensweisen und schaltet sich automatisch auf Hauptmeldungen anstelle von Neueste Meldungen.
Wenn ich die Entwicklungen des heutigen Abends also richtig interpretiere, wird der Nutzer jetzt abhängig von den Meldungen gemacht die auf der Wall erscheinen. Durchblick bekommt nur noch wer akribisch die Listen geführt hat. Und wer keinen Durchblick hat wird dem Konsumstrom von Facebook wohl kaum entkommen können. Facebook als reine Kommunikationsplattform so wie es Zuckerberg in der Vergangenheit ankündigte? Nicht mehr vorstellbar. Mit dem Verschwinden der Kurzmeldungen über der Chatleiste ist auch das letzte bisschen Kommunikation, welches durch Postings oder Kommentare von Freunden entsteht, quasi weggestorben.
Wie dem auch sei: Zur Entwicklung des Wegfalls der Kurzmeldungen werde ich demnächst auch etwas schreiben. Aber erst wenn sich weitere Entwicklungen auf Facebook zeigen, es wird also nicht allzu lange dauern.

Was für Funktionen wünscht Ihr Euch für Facebook? Was fehlt, was stört? Ich freue mich auf Eure Meinungen und natürlich wenn Ihr diesen Artikel in Euren Netzwerken teilt.

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