Googles Kampf für ein offenes und freies Internet – Mach mit!

Wir sind doch hier nicht in China!” Das stimmt nicht ganz. Auch hier in Deutschland werden regelmäßig Inhalte aus dem Web genommen, dies geht aus dem Transparenzbericht von Google hervor. Und man kann auch nicht mehr von einem neutralen Internet reden, wenn man sich überlegt welche Dominanz bspw. Facebook auf den Nutzer ausübt. Sehen wir der Gefahr ins Auge: Die Netzneutralität und deren Freiheit sind akut gefährdet.

Durch Caschy bin ich auf eine Aktion von Google aufmerksam geworden, bezüglich der World Conference on International Telecommunications 2012 der ITU. Hier treffen sich Vertreter der Industrie und Nationen um im Geheimen die Zukunft des Internets zu formen. Die Entwürfe zu den Anträgen sind ähnlich schlimm wie die Lobbypapiere zur Agenda 2020 in Deutschland, nur mit dem wesentlichen Unterschied, dass hierbei global Menschen aus Teilen des Internets entfernt und quasi ausgesperrt werden und mit den Konsequenzen schon in naher Zukunft gerechnet werden müsste. Und warum? Weil man sich es schlichtweg nicht mehr leisten kann. Aber wie immer: Eines nach dem Anderen.

#freeandopen - Hashtag und Motto der Petition für ein freies Internet

#freeandopen – Hashtag und Motto der Petition für ein freies Internet

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) hatte bislang eine sehr verantwortungsvolle aber langweilige Aufgabe: Neutrale Standards evaluieren und bspw. Frequenzen für Funkübertragungen standardisieren. Berühmteste Vertreter aus diesem Hause sind die Standards für JPEG und H.264. Man hat sich bislang also immer neutral verhalten und hat Technologien und das miteinander in der Telekommunikation und in den letzten Jahren im Internet auch immer mit beeinflusst, gefestigt und gefördert.  Die ITU hatte in ihrer Außendarstellung also immer eine weiße Weste.

Jetzt allerdings lässt die in zwei Wochen stattfindende Konferenz in Dubai ernsthafte Zweifel an der ursprünglichen Neutralität aufkommen. Zum Vergleich: Die Bundesnetzagentur ist sich ihrer Macht bewusst und versucht zumindest in Deutschland das Kräftemessen zwischen den Mobilfunkprovidern gerecht zu unterteilen. Jetzt sind aber Vertreter autoritärer Staaten in diesem geheimen Treffen der ITU involviert und werden selbstverständlich größtmögliche Forderungen stellen, die wie gefolgt aussehen:

  • Durch entsprechende Maßnahmen soll die Sicherheit im Internet, bspw. durch Firewalls oder DPI (Deep Packet Inspection), erhöht werden
  • Internetprovider sollen die Möglichkeit zur Verfügung gestellt bekommen, auf bestimmte Bereiche im internationalen Netz Geld zu verlangen um die Unternehmung entsprechend zu monetarisieren
  • Außerdem soll der wirtschaftliche Datenaustausch, Peering genannt, geregelt werden

Was sich auf den ersten Blick recht nachvollziehbar anhört, aber sich leider Gottes wieder hinter Business-Termini versteckt, ist das freie Wüten der Wirtschaft im Internet. Aus eben diesem Grunde möchte ich versuchen die oben genannten Punkte einfach und verständlich zu verpacken.

Internetsicherheit ist im politischen und wirtschaftlichen Sinne immer ein gutes Fachwort um irgendwelche kruden Äußerungen an den Tag legen zu können. Die entsprechenden Kontrollgremien und -institutionen schnüffeln sich dann einfach per Deep Packet Inspection durch das Internet. Alles was auf einer Blacklist steht wird also nicht übertragen. Wie gut das funktioniert sieht man aktuell in Russland, dem Iran, und selbstverständlich China. Hier in Deutschland hatten wir es bisher ja nur mit dem Bundestrojaner, ein paar Abschaltungen diverser Internetseiten und dem durchsuchen von sämtlichen Emails zu tun. Soweit wie in China sind wir aber immer noch nicht, auch wenn von Seiten des Verfassungsschutzes intensiv daran gearbeitet wird die Datenströme stärker zu kontrollieren. Mit der entsprechenden Konferenz der ITU in zwei Wochen, könnte dies aber in nicht allzu ferner Zukunft vollkommen anders aussehen.
Es steht also nicht mehr und nicht weniger als Deine Meinungsfreiheit auf dem Spiel. Und trotz allem soll die Konferenz nur im geheimen stattfinden? Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar.

Wer erinnert sich nicht an die Glanzzeiten von AOL und den 56k-Modems? Wenn die Konferenz den zweiten Punkt aus der Liste durchsetzt, werden wir ebenfalls in nicht allzu ferner Zukunft eine ähnliche Situation haben. Für das Internet könnte in Zukunft per Klick bezahlt werden (egal ob Skype, Facebook, Spotify, eine normale Website, eine Firmenwebseite usw. usf.), zumindest wenn es nach den Forderungen der Provider geht. Die Konsequenz daraus? Internetsurfen würde immens teurer werden: Die Mittelklasse könnte sich dies gerade noch leisten und der Unterschicht würden nur noch die kostenfreien Segmente im Internet zur Verfügung stehen. Sowohl die kulturelle als auch die soziale Teilhabe am Leben im Internet würde für arme Leute somit sehr schwierig. In Deutschland alleine sind dies rund 15 Millionen Menschen denen in Zukunft wohl der Zugang zum Internet und freier Information erheblich erschwert werden würde.
Die andere Option: Die Social Networks und Dienste im Internet müssten Gebühren an die Provider entrichten, ergo: Die Kosten würde gegen Ende auch wieder der Nutzer tragen und wer nicht viel Geld hat kann sich dann eben den Zugang nicht mehr leisten.
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Auf dem Höhepunkt des Informationszeitalters wird man willkürlich in eine Ecke der gezielten Desinformation geschoben. Meinungsfreiheit und auch politische Willensbildung sind somit akut gefährdet. Von Ländern in der dritten Welt braucht man in diesem Punkt dann schon gar nicht mehr zu reden.

Der wirtschaftliche Datenaustausch soll endlich geregelt werden. Datenschützer werden jetzt wahrscheinlich schon wieder Alarm schlagen. Ich sehe die Situation eher pragmatisch: Selbstverständlich versuchen die Unternehmen ständig die neuesten Datensätze im Idealfall von der gesamten Weltbevölkerung zu erhalten, aber warum soll ich dann auch noch etwas unmögliches tun wie bspw. meine Daten zurückzufordern? Wie auch immer: Generell geht es nicht, dass zum Beispiel Facebook ein sogenanntes Opt-In Verfahren in Europa für seine Nutzer fordert und nebenbei auch noch die Definition eines Kindes im Internet ändern will, um auch an die Daten der Sprösslinge zu gelangen.
Wenn mit diesen riesengroßen Datenbanken aus persönlichen Informationen endlich mal etwas vernünftiges machen würde, bräuchte man sich um das Datenschutzthema hierzulande wohl auch weniger Sorgen machen. Aber hier in Deutschland ist die Situation klar. Die meisten Leute wurden in irgendeiner Form im Anschluss der Herausgabe der eigenen Daten entweder mit haufenweise Werbung belästigt oder im extremsten Falle von irgendwelchen dubiosen Call-Centern betrogen. Verbrauchersendungen wie AKTE oder stern TV haben nicht umsonst ihre Existenzberechtigung. Die Skepsis der Deutschen ist also nachvollziehbar und weltweit werden die meisten Menschen die Situation ähnlich sehen.

Warum soll man aber jetzt ausgerechnet bei Google eine Petition unterzeichnen? Google ist die Datenkrake schlechthin und im Nachhinein wird man wohl auch versuchen wollen die Daten welche bisher auf YouTube, GoogleMail, Google+ und natürlich der Google Suche und unzähligen anderen Diensten selbst gesammelt wurden, zu Geld zu machen. Der Unterschied zu bspw. Facebook: Die Nutzer haben mehr Vertrauen in Google als in Facebook. Und durch Geschichten wie den Edgerank und den Wegfall wichtiger Funktionen hat Facebook mittlerweile mit Sicherheit noch mehr Vertrauen verloren als jedes andere Unternehmen im Jahre 2012.
Google dagegen folgt einer anderen Strategie und bewahrt dabei trotzdem eines immer im Auge: Netzneutralität und Netzfreiheit. Das freie Internet war schon immer Teil des Geschäftsmodells von Google, von daher ist es vollkommen nachvollziehbar, dass neben all den Diensten mittlerweile auch allerhand Gerätschaften wie Smartphones, Tablets und das Chromebook auf den Markt geworfen werden um im Gegensatz zu Facebook eine vornehmliche positive Kundenbindung zu erreichen. Und wer sich wohl fühlt nutzt Dienste auch aktiver. Eine einfache Logik, komprimiert ausgedrückt durch Googles Leitlinie “You can make money without doing evil.”. Man kann also Geld machen ohne Böses zu tun.

Aus eben diesem Grund sollte man nicht nur der weltweiten Bewegung sondern auch den größten Verfechter der Netzneutralität und Netzfreiheit zur Seite stehen und seine Stimme geben. Die Petition “Take Action” von Google steht also nicht nur für irgendwelche wirtschaftlichen Machenschaften, sondern auch für die Meinungsfreiheit und die Teilhabe aller Menschen am informellen Schatz des Internets.

Und was kannst Du tun? Unterzeichne die Petition!

Informiere Deine Freunde mit diesem Artikel oder den unzähligen Referenzen welche ich im Artikel untergebracht habe. Es ist verdammt wichtig. Hierbei geht es nicht um irgendwelchen Firlefanz wie das Leistungsschutzrecht, sondern um die gemeinsame Zukunft aller Menschen im Internet.

Eine freie und offene Welt braucht ein freies und offenes Internet. Staatliche Behörden sollten nicht alleine über die Zukunft des Internets bestimmen. Die unzähligen Internetnutzer auf der ganzen Welt und die Experten, die das Internet ausbauen und weiterentwickeln, sollten MIT einbezogen werden. – Google: Take Action!

Veröffentlicht in: Entwicklung, Gesellschaft, Kultur, Social Web Schlagworte: , , , , , , , , , , ,

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