Warum Google Deine Rechte im Internet stärken kann

Gesetze werden von Industrien und deren Lobbyisten geschrieben. Zwar wäre es reflektierend schöner und blumiger wenn man tatsächlich davon ausgeht, alle Gesetzgebung gehe vom Wille des Volkes aus, aber es ist nun mal nicht ganz stimmig. In einer Demokratie gibt man mit seiner Stimme die ungefähre Richtung an wohin es politisch gehen soll. Nicht mehr und nicht weniger. Zumindest sieht so bei den meisten Bundesbürgern politisches Engagement aus. Alles darüber hinaus schließt sich Parteien an, gründet Initiativen oder ist seine eigene Lobby mit dem Gang zum Abgeordneten des Vertrauens. Im Verbund ist man in der Regel erfolgreicher beim durchbringen der eigenen Interessen. Oder man hat eben einen starken Bündnispartner wie im jetzigen Falle Google.

Im Fokus des Netzes: Googles Netzneutralität

Im Fokus des Netzes: Googles Netzneutralität

Die Printmedien spielen jetzt öffentlich mit dem Vorurteil des bösen Google, was natürlich auch verständlich ist weil mit Google ja auch gewissermaßen die Sensibilisierung für Cookies stattfand und bis vor 2 Jahren eigentlich niemand richtig wusste was Google mit den Daten eigentlich macht. Der Ruf der Datenkrake war also geboren. Ideales Futter also um Googles Petition gegen ein Leistungsschutzrecht vor der Leserschaft zu untergraben.
Und auch hinsichtlich Googles Petition für ein freies Internet bezüglich der baldigen Konferenz der ITU, keimen auch von Netzpolitik.org eher kritische Stimmen auf: Google handelt ausschließlich unternehmerisch und wird den Nutzern nach der Petition auch keinen Mehrwert bringen. Microsoft springt ebenfalls auf den Zug auf und versucht mittels Imagekampagne seine Suchmaschine Bing wieder aufzuwerten. Allerdings in einem anderen Kontext, nämlich Shoppingergebnissen.

Alles in allem klingt logisch. Zumindest auf den ersten Blick. Microsoft fehlt der politische Kontext, Netzpolitik.org hat zwar den entsprechenden Kontext, blickt aber immer noch mit verklärten Augen auf die Politik. Netzneutralität und Leistungsschutzrecht stehen hier ganz vorne auf der Agenda aber es werden nicht alle Möglichkeiten wahrgenommen, dementsprechend verhallen groß angelegte Kampagnen auch recht schnell.

Warum also ausgerechnet Google? Es muss nicht immer Google sein. Zwar wird mit Sicherheit der Eindruck vermittelt der Boxedpages Blog ist total auf Google fixiert aber man sollte sich im Nachhinein einfach einmal überlegen wovon Google eigentlich lebt und was das Unternehmen ausmacht. Wenn Amazon, Apple oder Microsoft ähnlich agieren würden und sich nicht ständig durch diverse Gerichtsurteile und denkwürdige wirtschaftliche Entscheidungen selbst denunzieren würden, wäre die Überschrift dieses Artikels mit Sicherheit eine andere.
Google ist von den 4 Großen im Internet derzeit der einzige in Frage kommende Kandidat welcher auch effektiv Vorteile von einem freien Netz hat. Das sich die Interessen dabei eben zufällig auch mit den Nutzern überschneiden, kommt nicht nur Google sondern auch den Nutzern recht. Konsequenterweise sollten alle welche für ein freies Netz stehen, eben auch den Suchmaschinengiganten unterstützen. Man kann ja zweigleisig fahren und bspw. sowohl hinter Netzpolitik.org stehen, als auch seine Interessen von einem industriellen Riesen vertreten lassen. Wobei die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher ist das auf die Industrie gehört wird und nicht auf eine bürgerliche Initiave bzw. Organisation.

Außerhalb der Wahljahre wählt man mit dem Konsum und nicht seiner Stimme

Mittlerweile ist es mehr als offensichtlich, dass die Interessen der Industrien weltweit gegenüber der bürgerlichen Stimme bevorzugt werden. Warum diesen Mechanismus also nicht auch eigennützig verwenden. Als bspw. vor Jahre Nokia die Werke in Deutschland fast gänzlich geschlossen hat, wurde sich zu einem Boykott derer Produkte entschlossen welcher auch einige Jahre erfolgreich eingehalten wurde. Nokia konnte sich erst in diesem Jahr mit der Lumia-Reihe wieder in den deutschen Mobilfunkmarkt retten.
Das Lobbyisierung zumindest hier in Deutschland und vermutlich auch in etlichen anderen Staaten quasi an der politischen Tagesordnung ist muss man momentan eben auch ein bisschen akzeptieren. Und wenn man einen langfristigen Wandel herbeisehnt ist das auch in Ordnung. Aber für kurzfristige wichtige Entscheidungen wie jetzt bspw. im aktuellsten Falle beim Leistungsschutzrecht oder den Entwürfen welche bei der Konferenz der ITU eingereicht und vermutlich ohne Probleme verabschiedet werden, kann man nicht Gebetsmühlenartig darauf hoffen das jemand tatsächlich mal darüber nachdenkt und Partei ergreift. Wobei dies nicht grundsätzlich bedeutet, das Politiker schlecht informiert oder im schlimmsten Falle die Position des Abgeordneten falsch besetzt worden sei. Man muss sich von anderer Stelle überlegen: Diese Leute haben teilweise eine 60-70 Stundenwoche und sind durch verschiedene Gesetzgebungen wie in der heutigen Nacht auch mit verschiedenen Themata behaftet, aus jenem Grunde müssen diese eben auf ihre Berater vertrauen die hoffentlich komprimiert und sachlich die jeweiligen Änderungen dem Abgeordneten vorgelegt haben. Zusätzlich kommen noch die Punkte der unterbewussten Manipulation und natürlich noch die Parteilinie die ja auch nicht unbedingt immer konform mit der Meinung des Politikers sein muss.

Von daher ist es eigentlich nur logisch, dass man sich eben auch ab und an mit seinen vermeintlichen Feinden verbünden muss um seine Ziele durchzusetzen zu können. Politik funktioniert nur auf einem sehr langatmigen Weg. Und davon auszugehen seine Ziele selbsttätig per Politik durchsetzen zu können ist mittlerweile eine Utopie. Mit dieser Erkenntnis sehen sich mittlerweile auch die Kandidaten der Piratenpartei konfrontiert, die Basis gibt in der Regel die Richtung vor. Jetzt ist aber vor allen Dingen hier die Basis zerstritten. Die doch recht katastrophalen Auswirkungen spürt man jetzt schon, vor dem ersten ernstzunehmenden Wahljahr des Bundes für die Piraten. Vielleicht muss ja letztlich tatsächlich noch einiges an Erfahrung gesammelt werden, sowohl in der Basis als auch im Vorstand aber tendenziell geht es derzeit mit den Piraten nicht nur in den Umfragewerten bergab.

Mit dem Konsum machen wir jeden Tag Politik
Man sollte man sich auch darüber bewusst sein, das jeder Kauf eines Produktes, jede Inanspruchnahme einer Dienstleistung auch einem politischen Statement gleichkommt. Wenn ich bspw. bei einem großen Onlineversandhaus Produkte kaufe, welche dafür bekannt sind praktisch nur mit Minijobbern und Leiharbeitern besetzt zu sein und deren Arbeitsbedingungen schon ein wenig von dem Charme eines Internierungslagers haben, unterstütze ich diese Form der Ausbeutung offenkundig.
Jede Handlung die wir begehen, jede Dienstleistung die wir nutzen und jedes Produkt welches wir kaufen, steht auch für die politische und wirtschaftliche Ausrichtung des jeweiligen Unternehmens.

Warum sich also nicht mit eigener Stimme hinter ein Unternehmen stellen? Jeden Tag machen wir politische Statements ob bewusst oder unbewusst. Es ist an der Zeit sein politisches Spektrum zu erweitern. In diesem speziellen Falle ist es eben Google. Und die Argumentation man hätte bisher ja nur Nachteile durch Google gehabt ist aufgrund der extrem hohen Akzeptanz der Nutzer komplett nichtig. Auch bezüglich der Transparenz sollte man sich keine Sorgen machen. Es gibt mittlerweile ganz andere Anbieter welche noch undurchsichtiger mit ihren Nutzern umgehen. Allen voran selbstverständlich Facebook. Bei Google jedoch ist eine gewisse Transparenz gegeben und somit auch die Richtung. Der Suchmaschinenkonzern ist der Einzige aller Anbieter welche auch von einem freien Netz profitieren. Warum sollte also ausgerechnet Google gegen das Internet und seine Nutzer arbeiten?

Meine Empfehlung: Denken statt einfach nur zu konsumieren. Denn unabhängig davon ob man sich für Politik interessiert oder nicht: Mit jedem Kauf macht man Politik ob man möchte oder nicht.

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