Facebooks Graph Search: Was die neue Suche wirklich bedeutet

Facebook hatte ja gestern schon seit langer Zeit angekündigtes Event. Es wurde ein Smartphone vermutet und eventuell eine kleine Optimierung bei der Suche. Selbstverständlich waren die Reaktionen äußerst geteilt. Wobei der Aktienkurs an der Börse nach der Verkündung eine recht deutliche Sprache gesprochen hat. Abgesehen davon hat sich Facebook auch noch dazu entschieden seine Nutzer in mittelbarer Zukunft ein bisschen weiter einzuschränken. Aber wie immer: Eins nach dem anderen.

Die Social Graph Search

Die Social Graph Search

Was ist die Social Graph Search und was bedeutet die für mich?
Der Gedanke ist im Prinzip “Big Data für jedermann“. Aber da sind wir ja schon wieder dabei. Was zur Hölle ist Big Data? Big Data ist ein schönes Marketingwort um bspw. geschäftliche Analysen zu ermöglichen. Das Verfahren ist vom Prinzip recht einfach: Man hat etliche Millionen oder gar Milliarden Daten und führt eine Abfrage nach verschiedenen eigens gewählten Kriterien durch um bspw. festzustellen wie viele Frauen im Alter von 17-49 Jahren gelbe Rosen mögen. Mit einem entsprechenden Marketingkonzept hätte ein Großhändler für Floristik also ganz gut Karten, weil im Vorfeld potentielle Abnehmer ausgemacht werden könnten. Und Facebook hat neben Google eben den Datenpool schlechthin.
Mit der Graph Search hat Facebook also lediglich die geschäftliche Nutzung von Analysen stark vereinfacht und auf den privaten Sektor ausgelegt. So kann man jetzt immerhin Fragen “Welche Freunde mögen Harry Potter”. Hier natürlich noch nicht, weil wie mit der Chronik zunächst einmal länderweise die neue Funktion ausgerollt wird. Auch über einen entsprechend längeren Term, weil die Funktion noch nicht ganz ausgereift ist. Facebook selbst zeigt sich dazu entsprechend resignierend und deutet auf den Redmonder Konzern mit der Suchmaschine Bing. Hier habe man eine Partnerschaft, welche alle negativen Aspekte der Graph Search kompensiert. Die Suche wird übrigens quer über alle öffentlichen Daten funktionieren. Jegliche Statusupdates und Stichworte werden ebenso aufgenommen, wie Gefällt-mir-Angaben und Verknüpfungen. Big Data eben.

Natürlich ist diese Idee von kumulierten also zusammengefassten Abfragen für den Endanwender faszinierend, aber an der Börse kennt man Big Data schon. Dementsprechend ist der Aktienkurs gestern  eingebrochen. Und das waren nicht die einzigen Beobachter welche ja man könnte schon sagen bitter enttäuscht waren. Dabei ist die Social Graph Search wohl einer der mutigsten Schritte von Facebook  um das Netzwerk vielleicht doch mal wieder etwas benutzerfreundlicher zu gestalten. Nachdem Facebook die Zensur mittels Edgerank knallhart durchgezogen wurde und selbst mit Listen oder anderen Mittelchen nicht zu umgehen ist, sollte das Unternehmen sich doch einmal wieder dem Nutzer zuwenden. Um auch weiterhin nicht an der Zufriedenheit und Beliebtheit der Nutzer des blauen Riesen größere Verluste zu erzielen. Denn ohne Nutzer kein Big Data und dementsprechend kein Gewinn durch Werbung etc. . Sehr einfaches Prinzip eben.

Leider sieht es tendenziell aber schlecht aus: Facebook spielt weiterhin mit dem Nachrichten bzw. Emailsystem innerhalb des Social Networks und bietet Nutzern an die Mark Zuckerberg schreiben möchten, die Email bzw. Nachricht für 100 US-Dollar im normalen Posteingang von ihm erscheinen zu lassen. Ein extrem schlechtes Signal. Vor allen Dingen wenn man sich überlegt, ob nicht wie bei dem vorheben von Postings und Statusmeldungen auch zukünftig jeder Nutzer berechnet werden soll. Beispielsweise wieviele Abfragen sind umsonst etc. Die Social Graph Search als grandioses Produkt anzupreisen, ist ja zumindest langfristig gesehen für den Privatnutzer Blödsinn und eigentlich immer noch nur für Unternehmen interessant. Denn letztlich ist Big Data ja auch nur eine semantische Suche. Dies bedeutet wiederum neben den üblichen Suchergebnissen wird auf Basis von Nutzerverhalten, Herkunft etc. lediglich die Art von Verknüpfung abgebildet welche Facebook auch mit normaler Werbung anzeigt. Nur eben aus einer komplett anderen Perspektive. Jetzt kann der Nutzer eben auch Analysen fahren. Google konnte das eben auch schon lange und Facebook ebenfalls. Alles keine Zauberei und kein Hexenwerk also. Man kann die Reaktionen an der Börse also gut nachvollziehen.

Wie man an der offiziellen Seite der Social Graph Search übrigens sehen kann, ist man derzeit an einer ganz anderen Entwicklung interessiert. Und zwar eine Touchoptimierte Oberfläche um die Website auch auf Tablets und Smartphones besser darzustellen. Diese Änderung ist meiner Meinung nach weitaus wichtiger als die Graph Search. Aber in Palo Alto ist man scheinbar auch von kleinen Errungenschaften so begeistert, dass man sie der Einfachheit halber mal unter den Tisch kehrt. Die “Wir machen das schon und du hörst auf zu fragen”-Einstellung von Facebook ist ja mittlerweile bekannt.

Die Wahrheit ist bitter, aber der Weg zu einem Facebook mit Premiumfunktionalitäten und damit verbundenen Kosten ist absehbar und mittlerweile nur noch ein Frage der Zeit. Und bis auf Big Data für jedermann ändert sich nicht viel.

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